SO WEIT, SO GUT

PARK AVENUE präsentiert das schier Unmögliche: Frauen, die was wegwerfen können. Und das tun sie so kraftvoll und geschickt, dass die Konkurrenz bei den Olympischen Spielen in Deckung gehen sollte

 

CHRISTINA OBERGFÖLL, Speerwerferin

Nett. Stark. Hübsch. Sie ist sofort präsent, wenn sie den Raum betritt. Offen, kommunikativ und selbstbewusst: "Ich bin kein Püppchen."

Christina Obergföll hat das, was man "einen Lauf" nennt; 2007 war das beste Jahr ihrer Karriere: Deutsche Meisterin, Europarekordlerin, Vizeweltmeisterin.

Alles andere als eine Medaille kommt für sie in Peking nicht infrage. Deshalb überlässt sie nichts mehr dem Zufall. Seit sie bei der WM in Osaka statt Gold "nur" Silber holte ("Eine herbe Enttäuschung"), arbeitet sie mit einer Sportpsychologin zusammen.

Zudem lässt sich die 1,75 Meter große und für eine Werferin mit 71 Kilo eher leichtgewichtige Athletin Tipps von einer Ernährungsberaterin geben. "Unnötige Pfunde muss ich schließlich nicht mit mir herumschleppen, die sind nur tote Masse."

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FRANKA DIETZSCH, Diskuswerferin

Im Fernsehen wirkt sie immer ernst, bisweilen fast mürrisch. Das sei, sagt die amtierende Weltmeisterin beinah erschrocken, "doch nur die Konzentration".

Im wahren Leben kommt die lebenslustige Frau ganz anders an: offen, gesprächig, nachdenklich. Lacht viel und kann sich auch selbst auf den Arm nehmen.

"Schön, dass ihr uns mal wie normale Frauen zeigt und nicht nur im Moment des Abwurfs, wo die Gesichtszüge verzerrt sind und wir hauptsächlich aus Muskeln bestehen."

Die Grande Dame der deutschen Leichtathletik weiß, wo von sie spricht: Als Kind der DDR kam sie 1981 auf die Kinder- und Jugendsportschule nach Rostock. Doch dort hätte keiner einen Pfifferling darauf gesetzt, dass sie 27 Jahre später noch bei Olympia mitmischen würde. "Mein Trainer damals glaubte, ich hätte kein Talent."

STEFFI NERIUS, Speerwerferin

"Steine weit werfen, gucken, wie die fliegen und dann ins Wasser plumpsen."

Schon für die Dreijährige gab es keine schönere Freizeitbeschäftigung. Die Faszination für Flugobjekte blieb. Werfen wurde zum Kinderspiel: In der Schule flog ihr Schlagball deutlich weiter als bei den Jungs, einen Golfball katapultierte sie 104 Meter weit.

Mit elf Jahren griff die Leverkusenerin erstmals zum Speer, das Schwärmen blieb: "Ich sehe den Speer so gern durch die Luft segeln", sagt die Olympiazweite von Athen.

Weiße Bluse, schwarze Hose, Stiefeletten – so kommt sie zum Fototermin. Praktisch muss es sein: "Ihr müsst mich festhalten, auf High Heels kann ich nicht laufen." Am Tag danach plagt sie starker Muskelkater in den Waden. An Training ist nicht zu denken.

Aber gejammert hat sie kein einziges Mal. Tapfer!

BETTY HEIDLER, Hammerwerferin

"Ich werfe alles weg, was ihr mir in die Hand drückt." Es war ein Scherz während des Fotoshootings, und doch ist was Wahres dran.

Betty Heidler kam mit 14 "aus Langeweile" zur Leichtathletik. Für den Hammer entschied sie sich, weil eben ein Trainer da war, der ihr das Werfen nahebrachte: "Ich wäre auch über Hürden gesprungen."

Inzwischen ist sie Weltmeisterin im Hammerwerfen, eine Olympiahoffnung in der jungen Disziplin, die für Frauen erst seit 2000 in Sydney dazugehört.

Damit sich nicht alles im Kopf um den Hammer dreht, hat die Polizistin noch ein Fernstudium in Hagen draufgesattelt, Rechtswissenschaften. ! "Ich freu mich schon auf die Zeit nach dem Leistungssport, die Zeit mit weniger Muskeln."
Aber: "Moderne Werferinnen sind doch schon längst keine Mannweiber mehr." Keine Frage.

PETRA LAMMERT, Kugelstoßerin

Sie soll, sagt der Trainer, ruhig mal etwas mehr Mut zeigen. Frecher sein, selbstbewusster, öfter mal einen Rock tragen.

Petra Lammert, Kugelstoßerin aus dem Schwarzwald, winkt ab. Trägt die Haare sportlich kurz, die Röcke länger. Eine Sportlerin durch und durch, die nur durch Leistung von sich reden machen mag.

Schüchtern wirkt sie, gewinnt schnell durch ihr sympathisches Lachen.
Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss bezeichnet die 24-Jährige bereits als ihre legitime Erbin, auch wenn sie in Peking nicht starten kann: eine Verletzung. "Das ist ein schweres Paket, das ich trage", meint Lammert dazu, ist aber bereit dafür. Startete in Neubrandenburg einen Neuanfang, trainiert dort mit Franka Dietzsch, macht im Dezember 2008 nebenbei das Abitur nach.

Und weiß: "Erfolg ist ein Geduldsspiel!"

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