Altes Griechisch übersetzen-die Kunst der Altphilologen
Altes Griechisch übersetzen auch Altphilologen nicht aus dem Stegreif. Die Vokabeln änderten mit der Zeit ihre Bedeutung, bei der Übersetzung muss daher auf die Herkunft des Textes geachtet werden.
Wenn man tote Sprachen, wie Alt-Griechisch übersetzen will, geht das auch den geübtesten Wissenschaftlern nicht leicht von der Hand. Man muss nicht nur jede Vokabel kennen, man muss auch wissen, in welcher Epoche die Bedeutung sich geändert hat. Wenn ein Wort erst einhundert Jahre nach dem Erscheinen eines Textes eine bestimmte Bedeutung angenommen hat, dann kann diese für die Übersetzung nicht die richtige Wahl sein. Altphilologen, also Sprachwissenschaftler mit Spezialisierung auf tote Sprachen, müssen daher die verschiedenen Bedeutungen eines Wortes sehr genau kennen. Anders als Übersetzer zeitgenössischer Texte, können Altphilologen nicht so einfach aus dem Zusammenhang schließen, welche Bedeutung gemeint ist.
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Mit der Übersetzung wird der Text auch interpretiert. Es ist nicht möglich einen Satz aus der einen in eine andere Sprache zu übertragen, ohne eine bestimmte Bedeutung hineinzulegen (die man aber nicht verstanden haben muss). Bei alltäglichen Aussagen ist diese Bedeutung zwar so nah am Text zu finden, dass eine Übersetzung kaum eine Bedeutungsverschiebung möglich macht, Altphilologen arbeiten aber nur selten mit solch einfachen Texten. Philosophische Bücher oder Theologische Reden enthalten meist sehr ausgefeilte Satzstrukturen, die ohne Verständnis in einer anderen Sprache eine andere Bedeutung annehmen würden. Da bei Texten in toten Sprachen der Urheber der Sätze nicht mehr gefragt werden kann, was er gemeint hat, gilt es bei der Übersetzung besonders sorgfältig vorzugehen.
Besonders geisteswissenschaftliche Texte können sogar mehrere Bedeutungen in einem Satz enthalten. Die Doppeldeutigkeit eines Wortes ist möglicherweise von Autoren so vorgesehen. Eine Übersetzung wird so fast unmöglich, es sei denn, man erfasst jede mögliche Bedeutung und gibt alles an den Leser der Übersetzung weiter. Wenn man griechisch übersetzen will, bleibt einem daher manchmal nichts anderes übrig, als sogar in literarischen Texten mit Fußnoten zu arbeiten, um die Doppeldeutigkeiten weiterzugeben. Allein so bleiben auch Witze aus toten Sprachen lebendig, für die es sich unter anderem lohnt, die alten Texte zu studieren.
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