The Savages (Die Geschwister Savage)
Das Leben ist tragisch, aber deswegen muss man nicht gleich den Humor verlieren, dachte sich Tamara Jenkins
Mutig, der Zweitling von Regisseurin Tamara Jenkins. Denn dies ist mit Sicherheit kein Stoff, der Massen lockt. "The Savages" konfrontiert den Zuschauer mit äußerst unbequemen Fragen. Fragen, die sich die meisten von uns vermutlich irgendwann stellen müssen: Was tun, wenn Eltern pflegebedürftig werden, gar dement? Wohin mit ihnen? Und wohin dann mit unserem schlechten Gewissen?
Wendy (Laura Linney) und ihr Bruder Jon Savage (Philip Seymour Hoffman) haben mit dem eigenen Leben schon genug Probleme. Wendy schlägt sich in New York mit Zeitarbeitsjobs durch, träumt aber von einer Karriere als Bühnenautorin. In der Liebe hat sie es zu nicht mehr als der Langzeitaffäre ihres verheirateten Nachbarn gebracht. Jon ist Dozent für Theaterwissenschaft und quält sich mit seinem Buch über Bertolt Brecht und seiner Beziehung zu Kasia. Er liebt sie, will sie aber nicht heiraten. In diesem Fall bedeutet das Trennung, denn Kasias Visum ist abgelaufen.
Nun taucht auch noch der demenzkranke, pflegebedürftige Vater aus der Versenkung wieder auf. Und nun? Wie verantwortlich sollen sich die Geschwister fühlen für einen Mann, der sie im Stich gelassen hat, zu dem der Kontakt seit langem abgerissen ist? Diese Fragen sind natürlich heikel, aber berechtigt. "Wir sind schreckliche Menschen" wird Wendy später sagen, als sie den Vater im Heim zurücklassen. Ihr Bruder Jon sieht das anders: "Wir sorgen besser für ihn, als er es je getan hat."
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Klar, dass das Kino um Geschichten wie diese meist einen großen Bogen macht. Denn wer sich an solch tabuisierte Fragen wagt, läuft Gefahr, den Zuschauer entweder mit dem moralischen Zeigefinger zu erschlagen oder furchtbar rührselig zu werden.
Nicht so Tamara Jenkins. Sie hat das einzig Richtige getan: Sie schrieb eine Komödie und machte den schweren Stoff verdaulich, wenn nicht sogar leicht bekömmlich. Drama ohne Tränendrüse. Es funktioniert und es ist angenehm unamerikanisch.
Regie: Tamara Jenkins
Drehbuch: Tamara Jenkins
Darsteller: Laura Linney, Philip Seymour Hoffman, Philip Bosco
Filmstart: 24.04.2008
Laufzeit: 114 Minuten
Drama/Komödie
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