TV-Tipp: Prestes Maia - Freiheit in Beton

Schonungslose Bilder und Probleme, die betroffen machen: Der Film Prestes Maia - "Freiheit in Beton", der am Samstag um 18.05 Uhr auf ARTE gezeigt wird, beschreibt die Wohnraumproblematik in der brasilianischen Megametropole São Paolo und zeigt ein beeindruckendes Beispiel bürgerschaftlichen Engagements

 

Die Straße ist vierspurig, in einer Schlange, die nicht enden will, tummeln sich zahllose Autos. Ihre Motoren brummen vor sich hin und schleudern Abgase in die Luft. Inmitten dieser Kulisse, irgendwo in Brasiliens Megametropole São Paolo, arbeitet Lamartine Brasiliano. Hier verdient der kleine und drahtige Mann den Lebensunterhalt für seine siebenköpfige Familie, indem er Wasserflaschen verkauft. Der Schweiß rinnt ihm von der Stirn. Die Arbeit bedeutet extreme gesundheitliche Belastung und größte Anstrengung: "Wir sind arm, aber wir existieren", sagt er und gibt sich kämpferisch. Die Umstände machen es dem Familienvater schwer.

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So, ähnlich und schlimmer geht es vielen Millionen Menschen in Brasiliens größter Stadt. Getrieben von Illusionen und Hoffnung auf ein besseres Leben pilgern jährlich weitere zigtausende Menschen in die Wirtschaftsmetropole. Sie alle kämpfen um die nackte Existenz. Manche von ihnen nehmen sich mittlerweile, was zu einem menschenwürdigen Leben gehört. Die eigenen vier Wände:

Sie besetzen Häuser und leer stehende Fabrikhallen. Ihr Aktionismus wirkt logisch. 600.000 fehlenden Wohneinheiten stehen 650.000 ungenutzte Immobilien gegenüber. Hier setzt der 52-minütige Dokumentarfilm "Prestes Maia" an. So die Bezeichnung für das ehemals größte besetzte Haus in Lateinamerika. Mit 486 Familien leben die Menschen hier auf 22 Stockwerken. Insgesamt zählt das Haus 1379 Bewohner - 1379 Schicksale. Das Hochhaus gleicht einem Mikrokosmos mit einer ganz eigenen kulturellen wie sozialen Dynamik. So gehört zum Beispiel eine Bibliothek zum Innenleben des Wohngebäudes.

Seiner Umwelt ist das besetzte Haus ein Dorn im Auge. Denn zwischen Banken, Hubschrauberlandeplätzen und prunkvollen Fassaden, passt kein Klotz, der an die gravierenden Probleme sozialer Ungleichheit in São Paolo erinnert. Im Frühjahr 2007 räumen die Bewohner schließlich ihr kleines Paradies, das sie ihre Heimat nennen. Die Stadt gab den Besetzern Geld und schickte sie in Sozialbauten außerhalb der Stadt, fernab von ihren Arbeitsplätzen. Ein Zustand, den die Bewohner nur auf Dauer akzeptieren wollten. Und so ging ihr Kampf weiter.

Die jungen Autoren Jonas Ginter und Peter Levin zeichnen interessante Porträts beeindruckender Persönlichkeiten ohne dafür viele Worte zu benutzen. Sie lassen die Protagonisten sprechen. Die starken Bilder stehen für sich und zeigen, wie das Leben zwischen der Freiheit im Beton und dem Existenzkampf auf der Straße aussieht.



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