Der Baader Meinhof Komplex
Packende Chronologie über den RAF-Terror mit einer Top-Besetzung bis in die kleinsten Nebenrollen
Der Baader Meinhof Komplex
Die Idylle, mit der die Geschichte über den blutigen RAF-Terror beginnt, währt nicht lange. Die Kolumnistin der linken Zeitschrift „konkret“ Ulrike Meinhof (Martina Gedeck) verbringt einen unbekümmerten Sommer mit Mann und Kindern auf der Insel Sylt. Kurz darauf verliest sie vor einer wenig beeindruckten Partygesellschaft einen von ihr verfassten Protest-Artikel gegen den Deutschland-Besuch des Schahs von Persien.
Der darauf folgende Verlauf des 2. Juni 1967 ist bekannt. Doch so schonungslos inszeniert, macht das Geschehen aufs Neue fassungslos. Eine handvoll schahfreundlicher Perser prügeln unvermittelt und in einer geradezu absurden Brutalität auf gewaltfrei demonstrierende Studenten ein. „Jetzt tut doch was!“ schreit ein Demonstrant den tatenlos herumstehenden Polizisten zu. Als die nach endlos erscheinenden Minuten ihre Schlagstöcke ziehen, tun sie es – man möchte sich die Augen reiben – den Persern nach und knüppeln die Studenten nieder. Durch die virtuose Kameraführung wird der Irrsinn fast körperlich fühlbar. Man wähnt sich mitten im Getümmel, meint die Wucht der Wasserwerfer zu spüren. Wehrlose Menschen werden erbarmungslos zusammengeschlagen, getreten, über die Straße geschleift – und am Ende wird der Student Benno Ohnesorg erschossen.
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Man kann nicht umhin: ein solcher Einstieg in die Geschichte macht befangen und schafft eine gewisse Toleranz, ja fast schon Sympathie, für die Mitglieder der sich bildenden „Baader-Meinhof-Bande“, die der Bundesrepublik Deutschland den Krieg erklären. Richtig so, man muss sich wehren, möchte man gerade denken – dann folgen entsetzliche Bilder von verstümmelten amerikanischen Soldaten, die den Anschlägen der RAF zum Opfer gefallen sind. Auch hier verschont uns die Kamera nicht vor unmittelbarer Nähe und blutigen Details. Ob diese exzessiven Gewaltdarstellungen den Mythos RAF tatsächlich entzaubern, bleibt dahingestellt. Der Vorsatz der Filmemacher, die Täter zu entglorifizieren wird jedenfalls erst am Ende richtig deutlich: „Ihr kanntet sie nicht. Hört auf sie so zu sehen, wie sie nicht waren.“, zischt Nadja Uhl als Brigitte Mohnhaupt den Mitgliedern der dritten RAF-Generation zu und richtet sich damit auch an die Zuschauer.
Regisseur Uli Edel war in erster Linie um ein Höchstmaß an Authentizität und Faktentreue bemüht. Entstanden ist eine chronologische Nacherzählung der RAF-Geschichte, die sich streng an ihre Vorlage (Stefan Austs „Baader Meinhof Komplex“) hält und darüber hinaus kaum Fragen stellt oder gar beantwortet. RAF-Kenner werden wohl vergebens auf große Aha-Effekte warten, bekommen dafür aber zweieinhalb überaus sehenswerte, actionreiche Stunden geboten, mit einer Top-Besetzung bis in die kleinste Nebenrolle. Abgesehen von der wie immer großartigen Leistung einer Martina Gedeck, bleiben vor allem die schauspielerischen Glanzstücke von Johanna Wokalek als Gudrun Ensslin und Bruno Ganz als Leiter des Bundeskriminalamts Horst Herold in bleibender Erinnerung.
Regie: Uli Edel
Drehbuch und Produktion: Bernd Eichinger
Nach dem Buch und mit Beratung von: Stefan Aust
Darsteller: Martina Gedeck, Moritz Bleibtreu, Johanna Wokalek, Nadja Uhl, Bruno Ganz u.v.m.
Filmstart: 25. September 2008
Drama
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