Die Welle

"Die Welle" mit Jürgen Vogel zeigt, dass moralische Messlatten unmoralisch sind.

 

Der Gymnasiallehrer Rainer Wenger (Jürgen Vogel) startet in einer Projektwoche zum Thema „Staatsformen“ ein Experiment, das den Schülern Diktatur praktisch vermitteln soll. Mit harmlosen Spielen, die die Gemeinschaft stärken, rekrutiert er eine Truppe, die sich rasend schnell vergrößert. Man erkennt sich am weißen Hemd und dem Welle-Gruß. So findet auch der Außenseiter Tim (Frederick Lau) plötzlich Anschluss. Als ihm wieder einmal Schläge angedroht werden, nunmehr von Nichtmitgliedern der Welle, eilen Möchtegern-Playboy Bomber (Maximilian Vollmar) und Kumpel Sinan (Elyas M’Barek) ihm zu Hilfe. Rainer Wengers Losung „Macht durch Gemeinschaft“ erfüllt sich. Wie eine Supernova verdichtet sich das Gruppengefühl, um danach zu explodieren und auseinander zu fallen. So sind bei dem Wasserballspiel gegen die befeindete Ernst-Barlach-Schule mehr Zuschauer denn je auf den Rängen. Die große Mehrheit trägt weiße Hemden. Die Begeisterung schlägt um in einen Tumult und im Wasser begleichen Spieler ihre Rechnungen mit den Fäusten. Wenger versucht, den Versuch abzubrechen. Wie schon der Jugendroman und Schullektürenklassiker „Die Welle“ von Morton Rhue stellt der Film die Frage: Welche Rolle würdest du einnehmen? Eine Antwort kann der Zuschauer kaum geben, sieht er doch, wie sich das Projekt schleichend verselbständigt bis die Lage eskaliert.
Dennis Gansel (Regie) ist eine unpathetische Übersetzung der Romanvorlage bzw. der Vorfälle, die sich ähnlich 1967 im kalifornischen Palo Alto abgespielt haben, ins heutige Deutschland gelungen. Und so kratzt „Die Welle“ auch am Thema zu Gewalt an Schulen. Auf diese Weise wird der Zuschauer mit Vergangenheit und Gegenwart konfrontiert: Nazi-Deutschland und Gewaltdebatte. Dennis Gansel meistert die Gratwanderung zwischen plakativen Bildern und verloren gegangener Nachricht. Er verschont niemanden und lässt den Zuschauer erstarrt und hilflos zurück.

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Regie: Dennis Gansel
Drehbuch: Dennis Gansel und Peter Thorwarth
Darsteller: Jürgen Vogel, Christiane Paul, Elyas M’Barek, Frederick Lau
Filmstart: 13. März 2008
Laufzeit: ca. 100 Minuten
Drama

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