Buchtipp: "Teufels Küche"

Rasante Jagd: Ross Thomas' sehr cooler Politthriller "Teufels Küche"

 

Es geht um die Angst. Um die Angst vor dem, was passiert, wenn da einer kommt, sich nicht abschrecken lässt, auch nicht von härteren Drohungen und ein paar mahnenden Todesfällen, und den Deckel über der politischen Jauchegrube anhebt. Der immer weiter fragt, Zusammenhänge erkennt und benennt. Der Gier und Rachsucht konstatiert, aber nicht drüber erschrickt oder gar vom Glauben an das Gute in der Politik abfällt – wie denn, wo er ihn doch nie hatte? Der allein schon deshalb nicht mit den gängigen Mitteln einzuschüchtern ist, weil er nichts zu verlieren hat.
Von solchen Leuten, den gereizten Suchern und den immer wütender, immer nervöser werdenden Vertuschern, schreibt Ross Thomas, den der Alexander Verlag – gelobt und gepriesen sei er dafür – nach und nach in neuen Übersetzungen dem hiesigen Publikum vorstellen will.



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Thomas fabuliert hart am Rande der Realität, seine Figuren sind allesamt outlaws, wenn auch nicht sämtlich in der gleichen Gehaltsklasse angesiedelt. In "Teufels Küche", 1983 zuerst erschienen und in Zeiten von Guantanamo böse aktuell, wird mit Informationen gehandelt, die eine US-Präsidentenwahl entscheiden könnten.
Wie nun Draper Haere, ein ausgebuffter Spenden- und Schmutzsammler im Politbusiness, an ein Informationshäppchen kommt, zu Beginn eigentlich nicht viel mehr als ein Gerücht, aber ein schönes und profitables Gerücht, wie er es erst aufbläst und dann wirklich zu imposant-gefährlicher Größe treibt, wie er es strahlen und wirken lässt – das ist eine erzählerische Meisterleistung, die vor böser Komik nur so strotzt.
Thomas’ Personal ist nicht nur unter dem Aspekt der Namenswahl – der zweite Protagonist, ein ebenfalls ordentlich abgefuckter Reporter, heißt Morgan Citron! – von erlesener Skurrilität.
Die falschen FBI- und CIA-Agenten sind so schattig, dass die Klischees tanzen, dann auch wieder so unterbelichtet, als wäre eine komplett verrückte Tarnung abrupt in schnöde Wahrheit umgeschlagen. Dass in Gestalt von Citrons Mutter auch noch eine reiche, von keinerlei Moralismus gebremste Klatschblatt-Chefin mitspielt, deren familiäre Zuneigung sich in engen Grenzen hält, gibt dem ganzen atemlosen Wettlauf eine weitere boulevardeske Note.

Damit wir uns recht verstehen: Ross Thomas’ Buch liest sich doppelt gut – als knallharter Polit-Thriller wie auch als sarkastische Typen-Parade. Und als aktuelle Sittengeschichte des Verrats. Und als Ratgeber für Intrigen. Und als brillante Analyse über die Drahtzieher der Macht. Und als Musterbeispiel, wie man Gags über Käse und Kannibalismus (!) sinnvoll integriert, als sei’s ein arg spätes Treffen Marlowes mit den Marx-Brothers.
Und das Schönste: In der Reihe des Alexander Verlags ist dieses Buch erst Nr. 5 von 25. Es darf sich also noch oft vorgefreut werden.

Ross Thomas; Teufels Küche; Alexander Verlag; 12,90 Euro

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