Buchtipp: Partitur des Todes
Kulturredakteur Helge Hopp hat für PARKAVENUE.DE die Partitur des Todes gespielt. Hauptkommissar Marthalers dritter Fall hat's in sich: Massaker, Briefe aus der Hölle und Entführungen von Redakteuren.
Als Matthias Altenburg noch unter ebendiesem Namen veröffentlichte, war er ein geachteter Stilist in der deutschen Literaturszene.Doch das Schräge, die Gestrandeten, die skurrilen Schauplätze, all das zog ihn damals schon an, als seine Figuren noch „Mama Bonzo“ und „Opa Porno“ hießen.
Nun, da er als Jan Seghers (!) mit „Partitur des Todes“ schon seinen dritten Krimi mit dem Frankfurter Hauptkommissar Marthaler (!!) vorlegt, ist er weiter Freund der sprechenden Namen, aber auch zum Liebling der Lesermassen geworden.
Das wird der kluge Mann verschmerzen können, ebenso wie den vor Ratlosigkeit strotzenden, von eifrigen Etikettierern aufgezwungenen Titel als „Mankells deutscher Bruder“.
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Diesmal geht es um eine Nachricht aus der „Hölle“, einen Brief, der den alten, seit 1941 in Paris lebenden Georges Hofmann (!!!) über mysteriöse Umwege erreicht.
60 Jahre, nachdem Hofmanns Eltern in Auschwitz umgekommen sind, hält dieser ehemalige Revuetheater-Besitzer nun eine bislang unbekannte Partitur des Operettenkönigs Jacques Offenbach mit dem nicht minder anspielungsreichen Titel „Das Geheimnis einer Sommernacht“ in der Hand, die sein Vater damals aus dem KZ schmuggeln konnte.
Alsbald wimmelt es von gierigen Interessenten samt unterschiedlichster Interessen, die Ereignisse überschlagen sich: Den blutrünstigen Auftakt bildet ein mittleres Massaker auf einem Frankfurter Restaurantschiff, es gibt eine erst allzu eifrige, dann entführte Arte-Redakteurin, es gibt Vorurteile und Hintermänner, Lebenshunger und Rachedurst, eine pralle Reise in die Vergangenheit.
Zwar überfrachtet Seghers seinen freundlichen Ermittler gelegentlich mit etwas arg viel Psychogeschwurbel, auch sorgt die lokalpatriotische Detailfreude immer wieder für Weiterblätter-Impulse, doch alle Geheimnisse sind letztlich fein ineinander verschoben und verwoben, so dass ein eindringliches, raffiniertes und anspruchsvolles Finale über alle Längen lässig hinweghilft.
Jan Seghers; Partitur des Todes; Wunderlich; 19,90 Euro
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