Buchtipp: "Der gute Terrorist"

Lässiger Routinier: Robert B. Parkers neuer Spenser-Krimi "Der gute Terrorist"

 

Kommt ein Mann zum Privatdetektiv. Mit dem Verdacht, dass seine Frau ihn betrügt. So weit, so vertraut. Klar auch, dass sich dieser Verdacht in aller Genre-Regel recht schnell bestätigt, dabei oft auf so simple, ungeschönte, fast schon billige Weise, dass sich der Ermittler selbst beschmutzter noch als sonst fühlt, dass er Mitleid mit seinem Klienten bekommt und kurz davor ist (aber nur kurz), sein Honorar zu reduzieren. Ungewöhnlicher ist es aber, wenn kurz nach dem derart einfach erledigten Job beide Eheleute tot sind, ermordet. Dann fühlt sich der Ermittler gleich nochmal veralbert, als sei er nichts weiter als ein besonders unfähiger Babysitter – obwohl er gar nicht mehr mit Beschattung beauftragt war. Das quält ihn, selbst wenn er ein so harter Knochen ist wie Robert B. Parkers guter alter, will sagen: Altersloser Spenser, von 1985 an auch als deutlich softer inszenierter TV-Serienheld (verkörpert von Robert Urich) zu gewissem Ruhm gekommen. Solche Morde lassen den wortkargen, aber gewiss doch mit einem weichen Herz versehenen Spenser nicht ruhen, er ermittelt auf eigene Rechnung, eigene Gefahr und mit sehr eigenen Methoden. Gute und dabei denkbar inoffizielle Kontakte zum örtlichen FBI helfen ein wenig weiter, und außerdem ist der Kerl schon so lang im Geschäft, dass sich eine ganze Reihe von jederzeit einsetzbaren Freunden angesammelt hat.

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Die braucht Spenser auch bald, um sich im Gewirr zwischen politischen, sexuellen und nur einfach kriminellen Absichten orientieren zu können. Dass er seine kluge Dauerfreundin Susan dazu als Lockvogel einsetzen muss, passt ihm auch nicht ins Konzept, selbst wenn es als die beste Taktik erscheint, um den smarten Bösewicht bloßzustellen. Mag der reine Krimiplot nicht die höchste Raffinessestufe erreichen und Spenser vor allem dank seines unermüdlichen Sammlerfleißes voran kommen, Parkers lakonische Dialoge, seine knappe Coolness und, ja, auch seine charmant sexistischen Würdigungen diverser Damen und ihrer diversen, sehr wohl variablen Vorzüge, hilft einem lässig über kleinere Schwächen in der Story hinweg.
Dass Parker, Jahrgang 1932, fleißig weiterschreibt, ist ebenso hoch löblich wie das Engagement des kleinen Bielefelder Pendragon-Verlag, der nun seit 2006 – bisher erschienen schon „Der stille Schüler“ und „Die blonde Witwe“ – die neuen Romane mit dem hartgesottenen Bostoner Schnüffler herausbringt.

Robert B. Parker; Der gute Terrorist; Pendragon; 9,90 Euro

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