Buchtipp: "Nicht mein Tag"
Trocken, ehrlich und irgendwie auch charmant: Der Roman von Stromberg-Autor Ralf Husmann
Till Reiners ist ein langweiliger Mann mit einem langweiligen Job in einer langweiligen Stadt, die zu allem Überfluss auch noch am Rande des Ruhrgebiets liegt.
Alles hat seinen geregelten Ablauf: Morgens fährt der verheiratete Bankangestellte in seinem Subaru zur Arbeit, träumt dort von seiner blutjungen, "Arschgeweih"-tätowierten und mit viel zu kurzen Trägertops bekleideten Kollegin Jessica.Abends bringt er seiner Frau und seinem Sohn auf dem Nachhauseweg eine Gurke und zwei Tomaten fürs Abendessen mit, nach welchem er verzweifelt versucht, auf dem Sofa bei angeschaltetem Fernseher, mit seiner lustlosen Frau zu schlafen.
Als die Dresdner Bank, zufällig Tills Arbeitsplatz, überfallen und er als Geisel genommen wird, ändert sich sein routiniertes Leben von dem einem auf den anderen Tag.
Plötzlich sieht Till sich Autos klauen, wehrlose alte Männer an Tankstellen zusammenschlagen und bekifft an irgendeinem Strand in Holland liegen.
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Er bezahlt einen Tätowierer mit dem Geld aus einem geklauten Portemonnaie und gerät am Ende sogar in eine Parkplatzschießerei mitten in Frankreich, wohin er mit des Bankräubers Freundin abgehauen ist.
Aus dem korrekten Bankangestellten mit Seitenscheitel, der grade am Anfang seiner Midlife-Crisis steht, wird das, was er nie war und schon immer sein wollte: Ein cooler, harter Typ, ein Rowdie eben!
Die vielen Missverständnisse und Missgeschicke, dieser "Trotteligkeits-Beigeschmack", der bei dem die Stimme in einem schreit "Man, sag doch was! Klär es doch einfach auf!", darf bei Husmann natürlich auch nicht fehlen.
Im Endeffekt sind diese Patzer aber doch so sympathisch blöd und realistisch, dass man sich nicht mehr über den Gebrauch dieses immer wiederkehrenden Stilmittels aufregt.
Ralf Husmann liefert uns in seinem Roman genau den trockenen Humor und die einfache Ehrlichkeit, die wir an "Stromberg" und "Dr.
Psycho" schon so lieben.
Anhand des Protagonisten und seines gesamten Umfeldes beschreibt der allwissende Erzähler auf herrliche Art und Weise, die sich in jedem Leben einschleichende Routine und die dazugehörigen, verzweifelten Versuche auszubrechen.
Klare Worte, bittere Vergleiche und fiese Kindheitserinnerungen ziehen sich durch die gesamte Geschichte und zaubern uns ein breites Grinsen ins Gesicht!
Ralf Husmann; Nicht mein Tag; Scherz; 13,90 Euro
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