Buchtipp: Liebeslänglich

Ein Arztbesuch mit Folgen: Im Wartezimmer lernt die pragmatische Lehrerin Mathilde, schon recht weit gesunken auf dem Weg zur alten Jungfer und nicht ohne tieferen Grund in den Fächern Mathematik und Physik im Einsatz, einen faszinierenden, einen ganzen Kerl kennen.

 

Der strahlt die Gefahr, die männlich-animalische, nicht bloß aus, er hat sie sogar schon unter Beweis gestellt.So sah es jedenfalls das Gericht, das Lukas Feller wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte. Die Pädagogin errötet, entflammt, hadert mit ihrer Begierde – und wagt ihn dann nach sorgfältigstem Abwägen doch, den ersten Schritt in die amouröse und bald komplett unberechenbare Katastrophe. Erst wird, da schnalzt Mathildes proseccoselige Entourage anerkennend mit der Zunge, im Knast geheiratet, dann kommt der Kerl, überraschend entlastet, sogar raus. Aber nichts ist’s mit dem Gattinnengenuss.

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Im sehr geordneten Mathilden-Leben bricht nun das Chaos aus, die kriminellen Geister, die sie herbeirief, ach, sie lassen sich nicht mehr hinfortanalysieren. Es kommt, wie es in knallhart scheiternden Ehen kommen muss: zum recht erbarmungslosen Kampf.

Mit einer interessanten Mischung aus fürsorglicher Beobachtung und böser Präzision betrachtet Susanne Mischke die fortschreitende Verwirrung ihrer Heldin. Denn die, sagen wir mal, seltsamen Zufälle in ihrer Umgebung häufen sich rasant, Geld verschwindet, Verwandte sterben, Sinne vernebeln sich. Der nur scheinbar betulich beginnende, dann aber fein konsequent erzählte Psycho-Thriller aus der deutschen Beinahe-Provinz (Hannover) schildert das Phänomen des „prison groupies“, eine folgenreiche Anziehungskraft, der eben nicht bloß schwache Menschen erliegen. Sondern gerade die Frauen, welche sich die eigene Härte mühsam verordnet und erworben haben. Dass Mischke keine begnadete Stilistin ist und so manche literarische Familienaufstellung etwas bemüht phänotypisch gerät, macht gar nichts, denn die illusionsfreie Geschichte eines verzögerten, dadurch besonders tiefen Falls verträgt exakt diesen einen Tonfall – herbe und zwingend.

Susanne Mischke; Liebeslänglich; Piper (TB); 8,95 Euro

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