Buchtipp: "Hunkeler und die goldene Hand"
Störrischer Kerl: Hansjörg Schneiders siebter Krimi-Streich
Da nimmt er, der alte Knurrer, der Baseler Kommissär Hunkeler, sich schon mal eine Auszeit, unwillig zwar, aber medizinisch geboten und zwangsverordnet – und was passiert? Im Rheinfeldener Solebad, das seinem maladen Rücken helfen soll, treibt ihm ein Körper entgegen, just erstochen. Dass dieser zu einem reichen Bürger seiner Heimatstadt gehört, Kunsthändler und zu Lebzeiten mit einem bewegten schwulen Liebesleben gesegnet (oder gestraft, wie man’s sehen will), erleichtert dem eigensinnigen Ermittler nicht gerade das, was ihm ohnehin arg schwer fällt: Das Sich-Heraushalten.Zumal noch einiges geschieht, was den Frieden stört: Schließfächer fliegen in die Luft, eine Einbruchserie leert die Bestände diverser Heimatmuseen, eine Horde Bisons stromert ohne Aufsicht über saftige Wiesen, sogar ein paar kämpferische Indianer mischen im beinahe karnevalesken Treiben mit.
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Ein Haufen Ewiggestriger der ungewöhnlichen Sorte, der gebildeten nämlich, taucht auf und dient als Anlass für einen kleinen, hoch raffinierten Exkurs über die Geschichte dieses mehrsprachigen Landstücks inmitten Europas.
Damit die leidlich gebildeten Leserstände nicht auf allzu bequem-elitäre Gedanken kommen, zieht das Tempo immer wieder an: Rasend werden die Masken gewechselt, die wüste Journaille sitzt den nervösen Basler Kollegen im Nacken, während Hunkeler sich an die Menschen herantastet, die wirklich etwas gesehen haben, aber eben nicht gern, nicht ungefragt sprechen.
Die lullt, die seift er ein, der stoisch Wartende, bis sie dann doch, langsam aber sicher, ins Erzählen kommen.
Und wo diese Taktik, an Tresen während Jahrzehnten erprobt und perfektioniert, doch nicht hilft, ist Hunkeler auch für den überraschenden Frontalangriff zu haben.
Was er kann, das Zwischentönelauschen und geduldige Puzzeln auch mit absurd geformten Teilen, lernt man nicht auf Seminaren.
Wo die zuständigen beamteten Kollegen beiderseits der Kantonsgrenzen in so hektische wie plumpe Verdächtigungsraserei verfallen, nimmt der nimmermüde Hunkeler sich viel Zeit, exakt die Zeit, die er braucht.
Er streift, flaniert fast durch die Lande, sammelt offene Enden, parliert und sinniert, knüpft hier und da etwas zusammen – und lässt gelassene Geisteskraft wirken.
Und siehe, irgendwann, nach spitzbübischen Befragungen, zu denen ihn seine erfahrene Spürnase leitet, ergibt das scheinbar chaotische Treiben einen Sinn.
Wer Hansjörg Schneiders vorherige sechs Hunkeler-Krimis schätzte, wird erfreut sein über ein weiteres Beispiel für literarisch hochwertige Spannung, gewürzt mit poetischem Lob der kulinarischen Genussfreude und einer guten Portion Verschrobenheit.
Hunkeler mag sich ergraut fühlen, verbraucht auch manchmal, doch wir erbitten: Möge seine Neugierde ewig erweckt bleiben.
Hansjörg Schneider; Hunkeler und die goldene Hand; Ammann; 18,90 Euro
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