Buchtipp: "Die Geliebte des Trompeters"
Gabriela Jaskullas Roman über eine Liebe im zerstörten Berlin
Eine Stadt in Trümmern.Ein mörderischer Winter.
Ein Haufen Menschen, jeder bemüht, sich aufzurappeln, zu überleben, wieder oder erstmals zu spüren, was das sein kann, dieses Ich, dieser Lebenswille.
Es braucht Kämpfer, es können aber ganz gehörige Portionen Ignoranz nicht schaden, so man der Verzweiflung entkommen will.
Die 20-jährige Riccarda, ein gründlich desillusioniertes Trümmerfräulein in diesem Berlin des Jahres 1947, zwischen allzu früher Abstumpfung und idealistischer Neugierde pendelnd, aber doch mit dem Blick für das Besondere, trifft auf einen GI, der noch jünger ist, fast noch furchtsamer als sie, aus anderen Gründen, versteht sich. Ein Kind ist das, freilich mit einem Namen, von dem man noch hören wird, nicht bloß in der Jazz-Szene: Chesney "Chet" Henry Baker.
Die amerikanischen Soldaten, je nach Gemüts- und Geisteslage als Befreier oder Besatzer empfunden, staunen über die graugesichtigen Gestalten – das sollen diese schrecklich gefährlichen Nazis sein? Jenseits der Traumata, der Hamstereien, der ansteigenden "Gasunfälle" und der zerschundenen Heimkehrer blüht eine Teenager-Liebe, wie sie zärtlicher, rätselhafter, scheuer und begieriger kaum sein konnte. Beide sind sie Außenseiter in ihren Welten.
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Sie trägt alltäglich daran, in ihrer zerfallenden Familie als Nervenstärkste zu gelten, wird also für die riskanteren Missionen "eingeteilt".
Er nimmt nur unwillig an den nächtlichen "Patrouillen" teil, die häufig in improvisierten, illegalen Bars enden, wo sich auch verlässlich eines jener Frolleins findet, die bereitwillig "die Beine breit machen", einer der ersten deutschen Sätze, die man ihn lehrt (vorher kam nur die Warnung vor den "Kohleklauern").
Er ist unreif, außer wenn er seine Trompete hält oder, von der unverhofften Gefährtin animiert, kurz Gefühle zeigt. Mit den kernigen Jungs kommt er nicht mit, mit den plumpen Angebern, den Kaugummi-Verschenkern, er will gar nicht dazu gehören.
Und die immergleichen schmissigen Töne, die das Armee-Orchester zur Erbauung von Kameraden und Besiegten anstimmt – Ersteren will man so die düstere Dienstzeit erleichtern, die Zweiten hofft man auf so fröhliche Weise der Demokratie zuzuführen – sind ihm ein wiederkehrendes, unvermeidliches Gräuel.
Einen kleinen melancholischen Entwicklungsroman vor schwierigem, geschichtlichen Hintergrund hat Gabriela Jaskulla verfasst, präzise und einfühlsam, trotz des spekulativen Titels, doch fast frei von transtatlantischem Kitsch.
Ein feines, leise glänzendes, ganz unprotziges Buch, das die Geschichte einer unmöglichen Liebe zweier Menschen erzählt, die nicht korrupt wurden, als es allen anderen ein Leichtes war, die einander zaghaft und arglos zulächelten, als das nicht in Mode war. Gabriela Jaskulla; Die Geliebte des Trompeters; dtv; 9,95 Euro
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