Buchtipp: "Fenimore"

Ein biographischer Roman über eine schwierige Freundschaft

 

Im Winter 1879: Es gehört sich nicht, sie schämt sich ein wenig und nie würde sie es zugeben, aber Constance Woolson ist entzückt, heiter, aufgeregt wie ein junges Mädchen. Sie ist 39 Jahre alt und schifft sich in New York für die Überfahrt nach Europa ein. Bisher hat sie brav ihre Mutter gepflegt, hat fleißig Kurzgeschichten verfasst, um die Familie zu ernähren, hat sich arrangiert mit dem Schicksal als von den Herren der literarischen Schöpfung leicht bespöttelte, herablassend gelobte, vom Publikum aber durchaus geliebte Autorin von Kurzgeschichten – der „große Wurf“, ein wirklicher Roman, gilt zu dieser Zeit weithin als eine zu schwere Aufgabe, als dass eine Frau sie meistern könnte.

Nun ist sie, nach dem Tod der Mutter, eine freie Frau und auf dem Weg zu ihrem Idol, ihrem – so hofft sie – Geistesgefährten, dem Schriftsteller Henry James („Die Europäer“, „Die Damen von Boston“, „Bildnis einer Dame“), der seit Jahren in England lebt. Die Geschichte dieser folgenreichen, unter Literaturhistorikern reichlich und kontrovers diskutierten Begegnung erzählt Elizabeth Maguire mit Mut zur Munterkeit, ohne ihr schwieriges Paar zu verraten. Vorwiegend zwischen Rom, Venedig und London wird gependelt, Momente seliger Innigkeit – wenngleich am platonischen Grundkonsens nicht gezweifelt werden sollte – wechseln mit ruppigem, oft beleidigtem, Monate andauernden Schweigen.

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Dabei zeichnet Maguire ein Bild, das den Literatur-Riesen durchaus stutzt. Denn er ist es, der auf beinahe schon amüsante Weise um seinen Ruf in jedweder Hinsicht bedacht ist (und nicht nur, was seine Homosexualität angeht), während sie, von gewohnten gesellschaftlichen Fesseln zwar nicht befreit, so doch mindestens nicht mehr so eng gebunden, weit mehr der Vorstellung von einer recht freigeistigen Künstlerin entspricht. Ihr Verhältnis zu James bleibt problematisch, denn Neid, Dünkel und die unausgesprochene Konkurrenz, das jeweilige Schlängeln durch den auch damals schon raffiniert manipulierten transatlantischen Literaturbetrieb erschweren wiederholt die offene Aussprache. Nicht nur rückwärtsgewandte, bedingungslos bibliophile Menschen können das geistreiche Buch Maguires genießen, sondern jeder, der sich für so vertrackte wie spannende Sitten vergangener Zeiten interessiert. Und für diese bedauerlichen, hoch komplizierten Menschen, die man Schriftsteller nennt, die da sitzen über dem weißen Blatt, häufig getrieben und noch häufiger sehr allein.
Elizabeth Maguire; Fenimore; Arche Verlag, 18 Euro

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