Buchtipp: Budd Schulbergs "Was treibt Sammy an?"
Die Schattenseite der Traumfabrik: Budd Schulbergs lehrreiche Hollywood-Saga „Was treibt Sammy an?“
Von der Unvermeidbarkeit gewisser Vor- und Zwischendurchbemerkungen: Es bleibt ein Rätsel, warum noch kein Mensch auf die Idee gekommen ist, einen großen Roman über Budd Schulbergs Leben zu schreiben und ihn dann sofort zu verfilmen.Der 1914 in New York geborene und auch noch immer ebendort aktive Schriftsteller verkörpert nahezu perfekt die Sehnsucht der US-Intellektuellen im 20. Jahrhundert, nicht nur sozialistische Gesinnung in der Theorie mit solidarischem Handeln in der Praxis zu vereinen, sondern dem als Drittes im Bunde noch eine gewisse Eleganz, eine stilistische Klasse hinzuzufügen.
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Das musste ja schief gehen, könnte man nun schön tröten, aber ganz so schlüssig war denn auch Schulbergs Drama nicht.
Der Mann wuchs in Hollywood auf und begann mit 22 Jahren, für die großen Studios an Drehbüchern zu schreiben, zu basteln, zu schrauben – je nach Bedarf.
Schulberg zählte später zu den Initiatoren des „roten Hollywood“, als die Autoren sich in der „Screen Writers Guild“ gewerkschaftlich formierten, für ihre Rechte zu streiten und zu streiken begannen.
Mitten in diese Kämpfe hinein, bei denen sich – wie fast immer – die konservativen Unterwanderer schließlich durchsetzen sollten, erschien "What makes Sammy run?", Schulbergs aus heutiger Sicht eher spöttische als böse Schilderung einer phänotypischen Hollywood-Karriere. Damals reichte ein wenig analytische Klarheit für den Skandal: Vor dem Erscheinen sollen, so der erste Teil der wahren oder ansonsten recht gut erfundenen Legende, diverse Studiobosse recht üppige Summen an Schweigegeld geboten haben.
Schulberg jedoch, so der zweite Legenden-Teil, lehnte kühl ab.
Dass sein Buch allerdings ein echter Bestseller wurde, hat niemanden mehr überrascht als den Verfasser selbst.
Sammy Glick heißt sein schamloser (jüdischer) Aufsteiger, der sich gewandt vom Büroboten einer Zeitung bis zum Mini-Mogul hochtrickst.
Ein frecher Kerl, der nur über zwei echte Fähigkeiten verfügt, diese aber jeweils in der XXXL-Version: Er weiß, wie man andere gegeneinander ausspielt, und wie man Leistungen anderer, begabter Autoren so überzeugend wie kaltblütig als eigene Werke ausgibt.
Aus der Freund-Feind-Perspektive eines ehrenwerten Theaterkritikers, den der Lockruf des Geldes schließlich auch nach Hollywood zieht, erzählt Schulberg, durchaus mit Freude an anekdotischen Schnörkeln, von dieser märchenhaften Karriere.
Glick ist ein echter Widerling, ein übler Blender und Schleimer, aber mit jenem Maß an Grandezza, das gerade in der Showbranche nicht schaden kann.
Zwar erreicht Schulbergs kolportagehafter Roman, der sich bis weit in die 50er Jahre hinein auch dem Vorwurf des ruppigen Antisemitismus (Sam Glick – Samuel Glickstein) ausgesetzt sah, weder die kühle Präzision von Wests „Der Tag der Heuschrecke“ oder die brillante Trauer von Fitzgeralds „Der letzte Tycoon“, aber als Sittenbild aus der großen Zeit der seriell und effizient produzierenden Traumfabrik ist es doch von beträchtlichem Unterhaltungs- wie Bildungswert.
Budd Schulbergs politischer Weg ist keinesfalls geradlinig verlaufen: In der McCarthy-Ära verriet er einige Mitstreiter aus der US-KP, bevor er selbst mit einem Drehbuch-Oscar für „Die Faust im Nacken“ den Höhepunkt seiner Laufbahn erklomm – und für Elia Kazan auch noch das Skript für „Ein Gesicht in der Menge“ lieferte.
So wird „Was treibt Sammy an?“, der nebenbei die große Dorothy Parker als Aktivistin verewigt, zum doppelten Zeitdokument, am besten mit möglichst vielen Hintergedanken zu lesen.
Budd Schulberg; Was treibt Sammy an?; Kein & Aber; 19,90 Euro
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