Buchtipp: Der König von Mexiko
Wenn dir das Leben eine Zitrone gibt, frag nach Salz und Tequila.
Im wirklichen Leben wäre der Jungjournalist Falkenhorst jemand, den man weder kennen geschweige denn Freunden und Familie vorstellen möchte.Er ist abschätzig, störrisch, ein alkohol- und kokainabhängiger Misanthrop, ein dickköpfiger Nihilist, der sich durch nichts belehren lässt. Außer - vielleicht - durch die stille Selbsterkenntnis, "das hätte man auch anders machen können, ist jetzt aber eben so gekommen." Sein Plan ist folgender: Als Pseudo-Doktorand in Mexiko von einem Auslandsstipendium zu leben, so wenig wie möglich für die Dissertation zu tun und das Geld vor allem in Drogen zu investieren. Nicht weitsichtig, aber typisch für Falkenhorst.
- Schlagen Sie hier relevante und interessante weiterführende Inhalte zu diesem Artikel vor.
Der Leser wird auf eine Reise durch recht bunte Geschichten mitgenommen, die - so könnte man behaupten - das Leben schrieb. Die Reise von Falkenhorst beginnt in seiner Lieblingsbar Centenario, in der er sich täglich auf Kosten des Akademischen Auslandsdienstes betrinkt. Doch die Zahlungen werden ausgesetzt. Eine neue Geldquelle muss her! Zum Glück lernt Falkenhorst die reiche Tenderly kennen, die ihn finanziell "unterstützt", ohne zu wissen, wen oder was sie da fördert. Falkenhorsts Alkohol- und Drogenkonsum natürlich. Auch die Liaison hält nicht lang, und so führt Falkenhorsts Reise durch dunkle, gefährliche Gegenden Mexikos schließlich in den Heimatort München, wo er bei einem "Busenmagazin" arbeiten soll. Wie Falkenhorsts Geldquellen eine nach der anderen versiegen, so enden die Episoden für ihn und den Leser im Nirgendwo. Für den Protagonisten zählt nur eins: Wie viel Geld habe ich für Drogen? Das ist der eigentliche Trip, auf den der Leser ihn begleitet. Und wenn Falkenhorst die hat, findet er Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens im Gespräch mit seinem Duschkopf: "Der Duschkopf starrte mich aus seinen Düsen an wie ein Hypnotiseur. ‚Du musst in Kontakt treten mit der Vergangenheit!’ Skeptisch verzog ich mein Gesicht, denn fast kam es mir so vor, als ob nicht ich, sondern der Duschkopf die Pilze eingenommen hätte." Stefan Wimmers "Der König von Mexiko" erinnert an Hunter S. Thompson und hätte vermutlich auch "The Kokain Diary" oder "Fear and loathing in Mexico" heißen können. Wer keine Pointen braucht und lachen möchte, ist mit diesem Stück Populärliteratur gut beraten. Stefan Wimmer, Der König von Mexiko, Eichborn, 19,95 Euro
- Faces of Evil - Das Böse zeigt...
- Edward Steichen und die Kunst des...
- Andreas Dresen: "Die haben sich...
- Wie wird man Milliardär?
- Jürgen Vogel: "Zweifeln tue ich...
- Buchtipp: "Englischer Harem"
- Jeff Koons in Berlin
- Warum ich mit Carla Schluss gemacht...
- TV-Tipp: Prestes Maia - Freiheit...
- Sol Gabetta - Il Progetto Vivaldi...
