Buchtipp: Gold und Silber
In seinem ersten Roman beschrieb LARS BRANDT die Fernnähe zu seinem Vater Willy Brandt. In "Gold und Silber" geht es wieder um die Frage: Wie viel Nähe hält die Liebe aus?
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Bonn am Rhein, Ort des Stillstands.„Gemütlich ist es hier nicht“, schreibt Brandt. Er kennt die Stadt aus der Zeit, als sein Vater noch Bundeskanzler war. Das war in den 80ern, zehn Jahre später dämmert sie vor sich hin, alle wollen weg. Auch der Künstler Rudi, der in „Gold und Silber“ für die schöne, aber bereits vergebene Ginger schwärmt. Rudi folgt ihr nach Berlin und Rom. Er wartet, träumt und hofft, aber selbst als Ginger schließlich fragt: „Was willst du, Rudi?“, verlässt er seine Deckung nicht. Rudi schwärmt lieber aus der Ferne. Und wie herzergreifend das sein kann, davon handelte schon Brandts großartiges Vater- Bewältigungsbuch „Andenken“.
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Diesmal arbeitet sich der Sohn an der Liebe einer Frau ab. So, als würde er seiner Sehnsucht nicht vertrauen, hat er sie in eine Variante der Artus-Sage gebettet, in der Ritter Lancelot sich vergeblich in die Frau des Königs verliebt. Das hätte der Roman nicht nötig gehabt – er tanzt auch ohne Stütze, getragen von Brandts sensationellem Gespür für Atmosphäre und seinem Vermögen, sie in seltsam verschraubte, poetische Sätze zu kleiden. Ein Menschenfreund scheint Brandt allerdings nicht zu sein – seine Figuren bleiben einem fern. Man weiß nicht, wie sie lachen oder weinen. Dafür spürt man, wie die warme Bonner Oktobersonne auf die Haut scheint und was die Fische beim Angeln denken. Ein schönes Buch, das nach der Einheit von Empfindung und Sprache sucht. › Lars Brandt, „Gold und Silber“ (Hanser)
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