Buchtipp: Das Grab im Wald
Neues Testament oder Harlan Cobens "Das Grab im Wald" – auferstanden wird nicht nur zu Ostern.
Man kann nicht behaupten, das Leben von Paul Copeland verliefe in geraden Bahnen.Der Bezirksstaatsanwalt, in irgendeinem Kaff von New Jersey zu leidlichem Respekt gekommen, gilt zwar als harter, einem faulen Kompromiss jederzeit abgeneigter Ermittler, aber seit dem Tod seiner Frau taumelt der Mann durch sein Leben wie ein angeschlagener Boxer, der seine sichere Ecke nicht mehr wiederfindet. Und wie immer bei Harlan Coben, seit seinem Debüt 1990 mit „Play Dead“ als verlässlicher Sachwalter der Spannung gerühmt, lauert fast sämtliches Unheil in der Vergangenheit. So wird hier, wie auch in „Kein Sterbenswort“, Cobens bislang größtem Erfolg, so beharrlich auferstanden wie sonst nur an Ostern.
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20 Jahre ist es her, dass Paul, ein verliebter junger Geck, in einer Ferienlager-Nacht seinen Posten als Wächter auf ein Knutschversprechen hin verließ.
Vier Teenager wurden in dieser Nacht ermordet, darunter Pauls Schwester Camille.
Später wurde ein Serienmörder auch für dieses blutige Quartett verantwortlich gemacht, indes fand man nur zwei statt der zu erwartenden vier Leichen, notdürftig im Wald verbuddelt.
Die Handlung, auf Mitgefühl mit dem ich-erzählenden guten Kerl aufgebaut, setzt ein, als geschieht, was keiner für möglich hielt: Einer der damals „vermissten“ Toten taucht wieder auf – allerdings ist er nun tatsächlich tot.
In Copeland beginnt es zu arbeiten: Was wenn ...
oder gar ...?
Was der Coben-Freund schon ahnt, was der Autor dann genüsslich, aber ohne Mätzchen vor uns ausbreitet, ist die Rückkehr weiterer „Gespenster“ aus den Familien und Freundeskreisen aller Beteiligten.
Gefühle und Motive erweisen sich als weit komplizierter, im Zweifelsfall aber weniger edler als lange angenommen.
Hartnäckig in seiner Einsamkeit, immerhin unterstützt von seiner wackeren, in ihrem Eifer aber seltsam asexuellen Assistentin Muse, macht sich Copeland auf die Suche nach einer sorgfältigst vor ihm versteckten Wahrheit.
Damit diese Figur neben unbändiger Neugierde, gespeist aus einer Mixtur aus Privatinteresse und Berufskrankheit, noch etwas Helden-Farbe bekommt, paukt Copeland parallel vor Gericht einen knallharten Prozess durch: Zwei Verbindungsstudenten, dummdreiste Bürschchen, reich & weiß & mit sehr, sehr einflussreichen Eltern, haben eine schwarze Stripperin vergewaltigt.
Copeland kämpft für das Recht, auch wenn er den edlen Ritter nicht ganz durchhält – auch wird man in den durchaus packenden Gerichtsszenen den Eindruck nicht los, Coben riefe dauernd ziemlich laut aus den Seiten:
Harlan Coben, Das Grab im Wald; Goldmann; 8,95 Euro
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