Löws rote Karte

Axel Brüggemann schreibt in seiner wöchentlichen Kulturkolumne auf PARKAVENUE.DE, was den Feuilleton bewegt. Und fragt sich in dieser Woche: Warum finden alle Jogi süß?

 

Zum Abspielen der Audio-Datei ist der Flash Player von Macromedia erforderlich, den Sie unter folgender Adresse herunterladen können: » Macromedia Flash Player Download-Center

Alternativ können Sie auch folgende Datei aufrufen:
» Audio starten


Ich dachte, ich sehe nicht richtig: Da hatte sich Joachim, the cold-brain, Löw doch tatsächlich so sehr aufgeregt, dass er im Spiel gegen Österreich vom Schiedsrichter auf die Tribüne geschickt wurde. Ich konnte es nicht fassen. Ist der Typ mit dem schwarzen Haar-Helm, dem weißen Hemd, der gut gebügelten Hose und dem schmalen Gürtel am Ende tatsächlich ein Mensch und kein Roboter mit badischem Akzent? Deutschlands Frauen scheinen das ja schon lange geahnt zu haben: Dauernd wird mir erzählt, dass alle den Bundes-Jogi total süß finden. Und selbst meine Geschlechtsgenossen, die Kommentatoren-Kerle von ARD und ZDF loben den Trainer dafür, dass er „immer so gut angezogen“ sei.

Habe ich was verpasst? Für mich ist Jürgen Löw hauptsächlich eines: langweilig.

Jemand, der auf jede Situation eine rationale Antwort findet. Die Inkarnation des Werbespruches seiner Heimat: einer der alles kann, nur nicht Hochdeutsch. Und jetzt wird dieser Logiker, der Taktiker, der Besonnene, plötzlich auf die Bank geschickt – wegen Meckerns! Toll!

Irgendwie scheinen Deutschland und ich anderer Meinung zu sein. Jogi Löw ist ja in Umfragen nicht der einzige beliebte Deutsche, von dem ich nicht verstehe, was ihn so beliebt macht. Nach dem Armutsspiel seiner Mannschaft säuselt er jovial in die Mikrofone, dass er sich natürlich der Presse stellt, und, dass da durchaus etwas schief gelaufen sei, er es aber bereits analysiert und voll im Griff habe. So redet sonst nur Herr Kaiser von der Mannheimer Versicherung. Aber dem vertrauen die Deutschen ja auch.

Links zum ThemaSeite vorschlagen >
  • Schlagen Sie hier relevante und interessante weiterführende Inhalte zu diesem Artikel vor.

Wir fühlen uns sicher bei Leuten, deren Herz im Gehirn schlägt. Tatsächlich hören sich Löws Erklärungen fast so gut an wie die von Günter Netzer, aber im nächsten Spiel wird dann eben doch wieder gerumpelt. Was, verdammt, finden die Deutschen, die wieder – total selbstbewusst - mit schwarz-rot-goldenen Flaggen an ihren VWs durch die Straßen fahren und selbst nach einem Rumpelsieg Raketen in den Berliner Himmel schießen, die bei Lidl für einen Euro sechs Dosen Bier und sechs Würstchen kaufen, an diesen Chefs, die hauptsächlich eines sind: cool, rational und emotionslos. Männer, denen man vertrauen kann. Deutschland will alles, nur keine Hasardeure. Und das gilt nicht allein für den Fußball.

In der aktuellen Bundespräsidenten-Debatte wird darauf hingewiesen, dass Horst Köhler so beliebt ist wie kaum ein anderer Präsident vor ihm. Warum? Weil er alles erklären kann und so herrlich unemotional ist? Selbst Angela Merkel (ebenfalls mit hohen Sympathiepunkten) regiert das Land wie Löw seine Mannschaft. Für alles gibt es Erklärungen, alles ist logisch: Steuererhöhung, Arbeitslosenzahlen, Klimawandel. Sie weiß, wie es kommen muss – auch wenn es ganz anders wird. Es gibt nichts, was Merkel nicht erklären kann. Nur neulich, mitten in der Tagesschau, erlaubte sie sich eine menschliche Regung als sie einen Sicherheitsbeamten anblaffte: „Det is keen Bild hier!“ Angela Merkel fühlte sich nicht richtig in Szene gesetzt. Plötzlich wurde sie menschlich, ihre Coolness entlarvte sich als Kalkül.

Nach seinem Platzverweis nahm Jogi Löw auf der Ehrentribüne Platz und ging sofort zur Kanzlerin, die ihn tröstete als wäre sie eine Spielerfrau im Holland-Trikot: ganz in Oranje! Nach dem Spiel stand sie aus irgendeinem Grund vor der Werbewand, wo sonst nur Spieler stehen. Det war een Bild! Sie kommentierte Partie und Schiedsrichterleistung so diplomatisch wie das Nein der Iren zu den EU-Verträgen.

Am nächsten Tag habe ich dann gelesen, warum Joachim Löw eigentlich vom Platz geworfen wurde. Nicht, weil ihm die Sicherungen durchgebrannt sind, nicht, weil er plötzlich emotional war, den Schiedsrichter beschimpft hat oder Österreichs Trainer Josef Hickersberger an den Kragen wollte. Nein, Joachim Löw hat dem vierten Schiedsrichter in perfektem Englisch wissen lassen: „Let us do our job!“ – Im Ernst, er forderte in bester deutscher Pflichttugend, seinen Job machen zu können. Schweini ist wenigstens rausgeflogen, weil er einen Kroaten umgehauen hat. Jogi Löw wollte aber nur seine Arbeit machen. Und das auf dem emotionalsten aller Plätze, dem Fußballfeld. Da hätte ich ihm auch die rote Karte gezeigt.


P.S.: Nachschlag nach dem Viertelfinale. Löw saß doch tatsächlich in der VIP-Box. Und haben Sie das gesehen, die drei Sekunden, in denen die ARD-Regie gepennt hat? Als die Kamera auf den Trainer schwenkte, der in seinem Glaskäfig das Spiel beobachtete? Die letzten Minuten. Hochspannung.

Und Löw quarzte eine Nervositäts-Zigarette. So schnell konnte die Bildregie gar nicht wieder wegschwenken, um das Saubermann-Image des Trainers zu retten. Auf der Bank wäre er mit Kippe wahrscheinlich wieder vom Platz geflogen. Es wird immer spannender, was wir in dieser EM über Jogi erfahren. Der Typ ist tatsächlich nur ein Mensch. Mehr davon! Toll.


Zum Abspielen der Audio-Datei ist der Flash Player von Macromedia erforderlich, den Sie unter folgender Adresse herunterladen können: » Macromedia Flash Player Download-Center

Alternativ können Sie auch folgende Datei aufrufen:
» Audio starten


Christa Ludwig van Beethoven

Buchtipp: "Cocksure"

MEHR BUCHSTABEN

Revolverherz

Johann Sebastian Bach - Weihnachtsoratorium

Buchtipp: "Englischer Harem"

Christoph Hartmann - Fantasia Italiana

Gibt es wirklich Anbieter für seriöse Heimarbeit?

Es gibt viele Anbieter für seriöse Heimarbeit, diese zu finden ist nicht im


Golfurlaub günstig buchen – zum Beispiel im Internet

Wer seinen Golfurlaub günstig buchen möchte, der sollte sich im Internet na


Private Immobilienangebote im Internet ausfindig machen

Viele Menschen möchten eine eigene Wohnung mieten, oder ein ganzes Haus kau


Mit Tieren arbeiten: Ausbildung als Tierpfleger

Nicht jeder Tierfreund möchte Tierarzt werden. Doch welche Möglichkeiten gi


Private Krankenversicherung: Auch für Arbeitnehmer

Die Private Krankenversicherung zählt vor allem Beamte und Selbstständige z


Dunstabzugshauben-Zubehör muss nicht teuer sein

Wer in seiner Küche eine Dunstabzugshaube hat, der kann womöglich auch Duns


Kredit für Studenten - Erleichterung und Belastung

Die Aufnahme von einem Kredit für Studenten kann darüber entscheiden, ob ei