Ökologischer Anlagenbau: Mit Schilf gegen Abwasser
Ökologischer Anlagenbau kann dafür sorgen, dass unser Abwasser gereinigt wird, ohne unser Umweltgewissen zu belasten. Im Optimalfall nährt unser Abwasser ein Schilf an einem Hang unter unserem Haus.
Es ist ein schöner Gedanke: Wasser, das wir verbraucht haben, fließt in dichtes Schilf, wo es versickert. Unser Abwasser nährt Sumpf- und Wasserpflanzen, um dann zu versickern oder – gesäubert – in das nächste Gewässer zu fließen. Das hört sich an wie der Traum eines Stadtbewohners, der sich nach Natur sehnt; ökologischer Anlagenbau macht diese Wunschvorstellung zur Realität.
Pflanzenkläranlagen haben große Vorteile. Wenn sie an einem Hang gebaut werden können, benötigen sie keinerlei Energie. Das Wasser fließt hinein und unten gesäubert wieder hinaus. Klärschlamm setzt sich in einem Vorklärbecken ab; die im Wasser verbleibenden Nährstoffe nähren die Pflanzen. Das CO2, das bei biologischen Abbauprozessen entsteht, wird von den Pflanzen – meist Schilfrohre – aufgenommen. Diese geben dann ihrerseits Sauerstoff über ihre Wurzeln ab, den die Mikroorganismen im Wasser zum Leben brauchen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kläranlagen, bei denen das Wasser immer wieder zur nächsten Klärstufe gepumpt werden muss, benötigt eine Pflanzenkläranlage sehr wenig Wartung und Energie. Lediglich der Klärschlamm aus dem Vorklärbecken muss regelmäßig (Richtwert: einmal jährlich) entsorgt werden, ansonsten wartet sich die Anlage von selbst: Die Nährstoffe aus dem Wasser nähren die Pflanzen der nächsten Generation, die ihrerseits wieder die Klärung begünstigen usw.
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Doch ökologischer Anlagenbau hat auch seine Einschränkungen. Eine Anlage, die keine Energie verbrauchen soll, muss an einem Hang unterhalb der Gebäude stehen, in denen das Wasser verbraucht wird. Verglichen mit herkömmlichen Anlagen braucht die Pflanzenanlage sehr viel Platz. Sie ist keine Alternative für dichte Siedlungsgebiete. Je nach Bauart kann die Anlage auch nach dem Abwasser riechen, das eingeführt wird, was in Wohngebieten ebenfalls unerwünscht ist. Auch wenn es möglich ist, Pflanzenkläranlagen selber zu bauen, braucht man eine Genehmigung, die Geld kostet. Das hat auch seinen Grund: Über falsch errichtete oder unterdimensionierte Anlagen kann Wasser in Gewässer oder ins Grundwasser gelangen, das noch mit Krankheitskeimen verseucht ist oder einen zu hohen Nährstoffgehalt aufweist.
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