Die Freistellung vom Wehrdienst ist viel diskutiert

Insbesondere bei Jugendlichen ist die Freistellung vom Wehrdienst ein viel diskutiertes Thema. Verweigerer, Pazifisten und Ausgemusterte werden immer wieder als Weicheier abgestempelt.

 

Die Situation deutscher Soldaten in Afghanistan ist zur Zeit alles andere als eine Friedensmission. Mehr als mit dem Aufbau einer funktionierenden Demokratie sind die oft noch blutjungen Soldaten mit tatsächlichen Kämpfen beschäftigt. Wie die letzten Tage und Wochen gezeigt haben, ist der Kampf um Leben und Tod dabei realer, als sich manche je vorstellen konnten.

Angesichts dieser Tatsachen ist es eigentlich erstaunlich, dass junge Männer, die eine Freistellung vom Wehrdienst beantragen, beziehungsweise ausgemustert werden, noch immer als "weich" bezeichnet und belächelt werden. Wer eine pazifistische Grundeinstellung zum Leben und zur Politik hat, hat es als Jugendlicher nicht eben leicht. Waffen statt Pflege, Drill statt Erziehung - viele junge Männer ziehen den Wehrdienst vor, ohne immer genau zu wissen, was sie eigentlich erwartet. Das teilweise quälende Training der Grundausbildung ist in keinem Fall zu unterschätzen. Aber gerade die Härte der Ausbildung und die körperlichen Strapazen, die man seinem Körper antut, werden von vielen als wichtige Erfahrung des Mann-Werdens bezeichnet. Der Dienst bei der Bundeswehr wird immer mehr zum Statussymbol, mit dem angegeben werden kann, da er vermeintlichen Mut und körperliche Leistungsfähigkeit bescheinigt.

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Doch ist die Freistellung vom Wehrdienst keinesfalls eine Schande. Wer absolut kein Interesse daran hat, im Fall der Fälle in ein Krisengebiet wie jenes in Afghanistan geschickt zu werden und plötzlich um sein Leben bangen zu müssen (und sei es nur als Bundeswehrkoch), der kann durchaus wertvolle Erfahrungen in Kindergärten, Altenheimen und sogar Theatern sammeln. Der Zivildienst muss auch gar nicht mehr in Deutschland verrichtet werden. Viele entscheiden sich für ein Entwicklungsprojekt in einem Dritte-Welt-Land und leisten effektive Hilfe bei der Bekämpfung von Hunger und Elend in der Welt. Die Erfahrungen werden zum Teil als so bereichernd beschrieben, dass viele anschließend im Berufsfeld des Entwicklungshelfers eine sinnvolle Tätigkeit gefunden haben und dabei bleiben wollen.

Die Entscheidung gegen den Wehr- und für den Zivildienst ist also in keinem Fall weniger Beachtung wert, als der Dienst beim Bund.

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