StyleCouncil: Ich bin dann mal weg

Jeden zweiten Mittwoch liefert unsere Beauty-Chefin in ihrer neuen Kolumne Antworten auf drängende Stil-Fragen: Sind Lockenwickler noch okay, Waxing-Methoden eigentlich harmlos und Riesentaschen nun in oder out? Hier finden Sie Antworten – und sind herzlich eingeladen, Ihre eigenen Fragen zum Thema Style und Beauty zu stellen.                                       

Kolumnistin Alke von Kruszynski verabschiedet sich in die Sommerpause – natürlich nicht, ohne Ihnen ihre all time Ferien-Favourites zu verraten. Hier sind ihre TOP 5

Fernreise

Einer meiner ältesten Reisewünsche hat schon fast antiquarischen Charakter. Seit 20 Jahren hege ich den Alke-auf-Safari-Traum, und der geht so: In zwei, drei großen Landrovern, die Dächer beladen mit Wasser- und Benzintanks, cruise ich mit Familie und Freunden durch die wilden Landschaften des südlichen Afrikas. Geschlafen wird in Zelten, an Bord sind ausreichend Lebensmittel und Getränke, Hängematten, Kameras, Schlangengift-Gegenmittel, Karten, GPS und Funk.

Jedes Mal, wenn ich bei Globetrotter etwas kaufe, packe ich diese Camping-Ausrüstungen weiter; Werkzeug und Wasseraufbereiter und Mehrstoffkocher und sonstiger nützlicher Outdoor-Krempel landet bis auf weiteres in meinen virtuellen Einkaufskorb. Nur die mit Ranger-Stationen abgesprochenen groben Ziele werden auf der Reiseroute sicher sein, der Rest soll sich als marginal kontrolliertes Road-Movie entwickeln, dessen Drehbuch ein winziges Gerüst hat und täglich neu geschrieben wird. Bislang standen diesem Abenteuer Geldmangel (früher), politische Gegebenheiten vor Ort (immer wieder) und (seit einigen Jahren) vor allem die Urlaubsvorstellungen meines Sohnes im Weg. Aber bald kommt er ins Safari-taugliche Alter – und sobald sein Englisch ausreicht, um Warnschilder vom Typ „Deadly Cobra Crossing“ todernst nehmen zu können, geht es los.

Zeitreise

Alle fünf bis zehn Jahre zieht es ich mich zurück in eine Gegend, die ich als Kind Heimat nannte. Das ist lange her, und wo dort einmal ein Hafen war, der uns Jugendlichen irgendwie zu gehören schien, liegt heute nur noch eine Hafenruine brach. Das allerdings tut sie mit magischer Schönheit, zumindest für mich. Das Wasser wurde vor etwa 30 Jahren einige Kilometer zurück Richtung Nordsee verdrängt, das neu gewonnene Land ist längst ein Paradies für Vögel, Kleingetier, Touristen, Kioskpächter, Parkplatzwächter, Schafe und Surfer. Das alles findet rund um einen neuen Hafen statt, während mein alter bezaubernd und nutzlos in einem Dornröschenschlaf liegt, den eines Tages die Auswirkungen der globalen Erwärmung beenden werden, wenn überhaupt.

Die Gezeiten haben auf den letzten überwucherten Rest der Fahrrinne weniger Einfluss als der Niederschlag. Und wo ich als Jugendrotkreuzlerin während der Sturmflut 1976 drei Tage und Nächte lang Essen und Getränke an die Helfer ausgab, wäre heute die größte anzunehmende Katastrophe ein Bauunternehmer, der es wagt, diesen Ort mit beispielsweise einem Seniorenheim zu verschandeln.

Nahreise

Mein Großvater mütterlicherseits stammt aus Masuren, und alles, was mich davon abhält, in diesem hinreißend schönen Teil Polens zu urlauben, ist die Auto-Situation. Sie wissen schon. Deshalb muss ich Flug (3 x Linie) zu Mietauto (1x zu sehr illustren Kursen) zu Hotel (DZ + 1) und Ausflugs-Spesen (Hunger! Eis! Durst! Ruderboot! Neue Schaufel!) rechnen. Das alles summiert sich zu einem Urlaubsetat, für den ich ein Cottage in England mieten könnte. Da tröstet dann wenigstens TopShop über die alarmierende Kontostandschmelze hinweg.

In Masuren fahre ich stattdessen Bötchen durch die masurische Seenlandschaft und frage mich, warum der Vorfahre meines Mannes damals bloß das ganze Gut versoffen hat… Es kommt der Tag, da in Polen jeder sein eigenes Auto hat. Dann fahre ich auch meines rüber und hole die fällige Rückschau zur Familiengeschichte nach.

Mädchenreise

Yoga in Indien – ein großartiges Klischee, oder? Aber Klischees wollen auch erledigt werden, also reihe ich meinen Urlaub da einmal im Jahr mit ein. Weil meine alte Freundin Ute mit ihrer Kleinfamilie seit vielen Jahren dort lebt, ist Goa für mich so normal, wie andere Leute die Oma in Gelsenkirchen besuchen.

Ich genieße es, dort den besten Frühstücksladen zu kennen, auf den Markt zu gehen, am Strand einen Fisch in Bananenblättern zu bestellen, wie jedermann im Dörfchen einzukaufen, tatenlos Stunden in unserem Garten abzusitzen und Vögel in den Palmen zu suchen oder beim dritten Caffe Latte zuzusehen, wie dreißigköpfige Affenhorden über unser Dach toben. Am besten aber ist der Tagesanfang: um acht Uhr morgens bei Brahmani Yoga auf der Matte zu liegen und meiner Lieblings-Yogalehrerin Liz dabei zuzuhören, wie sie uns ins Om moderiert. Einen entspannteren Urlaub habe ich, glaube ich, seit meinen Teenagertagen an den Karibikküsten Venezuelas nicht erlebt. Wo man bis auf weiteres leider nicht mehr hinfahren kann.

Shoppingreise

Paris, Soldes. Das muss ich jetzt und hier niemandem erklären, oder???

Einen wunderschönen Sommer wünscht Ihnen
Ihre Alke von Kruszynski