StyleCouncil: Katzenjammer
Jeden zweiten Mittwoch liefert unsere Beauty-Chefin in ihrer neuen Kolumne Antworten auf drängende Stil-Fragen: Sind Lockenwickler noch okay, Waxing-Methoden eigentlich harmlos und Riesentaschen nun in oder out? Hier finden Sie Antworten - und sind herzlich eingeladen, Ihre eigenen Fragen zum Thema Style und Beauty zu stellen.
Liebe Style-Gemeinde,
ich ergreife heute das Wort für die Katze. Und somit für jene unter uns, denen die Katze näher am Herzen liegt als der Hund. Denen geht es sowieso zu gut. Hunden tätschelt man tuffig den Kopf, sie dürfen in Restaurants unter fremden Tischen hecheln, Kinder erschrecken, ihre Schnauzen in jedermanns Schoß schieben, Büros bemüffeln - gelten also gegen jede erkennbare Vernunft allgemein als gesellschaftsfähig. Ihre Besitzer sind gar vergleichsweise bessere Menschen, empfinden sich als sozial kompetent und balz-kompatibel mit jedem unschuldigen Grünflächen-Besucher. Eine Katzen-Liebhaberin dagegen (die Liste der Vorurteile gilt interessanterweise ausschließlich für weibliche Mitmenschen) trägt das Stigma des neurotischen Rühr-mich-nicht-Ans mit extrem fragwürdiger Garderobe. Ihre Wohnungen riechen strenger, als selbst Männer aushalten können (was angesichts der Verhältnisse, in denen manche Männer es gut allein aushalten, verwundert). Menschen, die eine Katze oder mehr halten, rasieren sich die Beine nicht, halten höchstwahrscheinlich satanische Messen ab und pflegen, wenn überhaupt, Kontakte, die ein Autist nicht geschenkt haben möchte.
Alles an den Fellhaaren herbei gezogen? Warum entwickelt dann plötzlich der halbe Freundeskreis eine Allergie, sobald ein Felltiger durch die Wohnung schleicht? Rufen nächtliche Männer-Bekanntschaften pronto das Taxi zurück, wenn sie vor der Haustür erfahren, dass dahinter drei Kater kratzen? Und warum – diese Frage hat mich vor kurzem am meisten beschäftigt – verdienen selbst Tierbedarfshandlungen offenbar lieber am Hund als an der Katze? Anders ist kaum nachzuvollziehen, warum der Markt für Katzenmöbel so fürchterlich finstere Dinge feilhält. Mit dem Bedarf an Katzigem ließe sich immerhin eine Menge verdienen: Anders als ein schnöder Köter, dessen Ausstattungsbedarf rein theoretisch bei Körbchen, Halsband, Futternapf enden könnte, braucht besonders eine Indoor-Katze aufwendige Klettermöglichkeiten. Vorausgesetzt, ein harmonisches Miteinander von Katze und Halter ist erwünscht.
Und als litte man nicht schon hinreichend an der gesamtgesellschaftlichen Katzen-Diskriminierung, liegt hier das nächste große Problem. Jedenfalls für Menschen, die über ein Haustier hinaus ein ästhetisch ansprechendes Zuhause wünschen. Kater XY mag egal sein, worein er seine Krallen schlägt. Aber wie verträgt sich ein eklektisches Gespür für Wohndesign mit haarsträubendem Synthetik-Teppich-Kuschel-Kunsthandwerk und monströsen Sisal-Kratz-Gebilden aus der Zoohandlung um die Ecke?
Eben. Ich vermute sogar, dass allein das aus der Not geborene Aufstellen derartiger Zumutungen den Ruf der Katzenhalter nachhaltig beschädigt hat: Wer so was in sein Wohnzimmer stellt, muss verrückt sein.
In vielen langen Nächten intensiver Internet-Shopping-Recherche sind mir schließlich einige Wohnideen für die anspruchsvolle Katze begegnet. Leider stammen die nahezu ausschließlich aus den USA, gerade einmal eine aus Deutschland und die beste aus Tokio. Um diese Designobjekte zu bestellen, muss man wiederum ziemlich katzenverrückt sein, was ich mir aus genannten Gründen nicht nachsagen lassen möchte. Deshalb steht in meiner Wohnung bis auf weiteres ein Eigenbau, der bislang ausschließlich und allseits auf Begeisterung stieß. Wer Interesse hat, wie der entstanden ist, und vor Bohrer, Superkleber und Schraubendreher nicht zurückschreckt: Email genügt.
In der Zwischenzeit empfehle ich einige der Websites, die mich inspiriert haben. Wer die dort gezeigten Ideen nicht just adorable findet, ist wirklich verrückt. Ich jedenfalls hätte, ein solches Katzenhabitat vorausgesetzt, kein Problem damit, als Rassekatze wiedergeboren zu werden. Eigentlich ein gutes Thema für meine nächste okkulte Messe.
Le Chic du Chat - die besten Web-Adressen für Designer-Katzen
www.moderncatdesigns.com
www.hepperhome.com
www.cat-interiors.de
www.kittypod.com
www.one-form.net
www.kattbank.com
www.squarecathabitat.com
www.pre-fab-pets.com
www.everydaystudio.com
www.caboodlecats.com
www.thesophisticatedcat.com
www.trendycat.com
