StyleCouncil: Italienische Appetitzügler

Jeden zweiten Mittwoch liefert unsere Beauty-Chefin in ihrer neuen Kolumne Antworten auf drängende Stil-Fragen: Sind Lockenwickler noch okay, Waxing-Methoden eigentlich harmlos und Riesentaschen nun in oder out? Hier finden Sie Antworten - und sind herzlich eingeladen, Ihre eigenen Fragen zum Thema Style und Beauty zu stellen.                                       

 

Wer herum kommt in der Welt, hat manchmal die traurige Pflicht, mit einfach so in die Landschaft gestellten Behauptungen aufräumen zu müssen. Nehmen wir Italien. Was ist denn da in den letzten Jahren eigentlich aus dem Ruder gelaufen? Früher bezweifelte niemand, dass alle Wege nach Rom führen. Heute stellt man sich dagegen gern hin und sagt: Großer Unsinn; warum sollten sie! Die Römer sind ein stolzes Volk, wird man von allen Seiten belehrt, während es ans Kofferpacken geht. Das könnte man genauso falsch oder richtig über die Berliner daherbehaupten, deren Stilvermögen bekanntermaßen unterentwickelt ist. Weiter im Text: In Italien speist man in jeder Trattoria lecker wie im Sterne-Restaurant – ja, und hier nun wachsen sich die Behauptungen ins geradezu Lebensbedrohliche aus, wie ich jüngst feststellen musste: Diese Aussage stammt nicht nur aus irgendeiner gastronomischen Steinzeit. Sie ist außerdem so überaus falsch, dass ich nach einer Woche 50 Kilometer nördlich von Rom, angewiesen auf die ausschließliche Versorgung durch besagte Trattorias, bei meiner Rückkehr dankbar den Boden meiner heimischen Küche geküsst habe. Und den raffinierten Kräutersalat mit Pfirsich-Scheibchen auf frischer Büffelmozzarella zum Scampi-Sellerie-Risotto, zubereitet von meinem zutiefst deutschen Ehemann, voller Dankbarkeit verschlungen habe.

Völlig in Ordnung ging im Prinzip nur die Landschaft: hübsch grün in den Hügeln zwischen Rom und Rieti gelegen, mit ihren historischen Klosteranlagen, in die Steilhänge wie hinein geklebten alten Dörfern, alles überaus appetitlich für Auge und Kameras. Ich hatte ohnehin nur bescheidene Wünsche im Gepäck: eine interessante Yoga-Erfahrung, ein paar letzte Sonnenstrahlen, einen Hauch originär italienische Küche, ein, zwei lecker Weinchen, einen Spritzer dolce far niente und die eine oder andere Spazierfahrt Richtung Rom, um das Colosseum und die beschworene Schönheit der Menschen dort bestaunen zu können. Das mit dem Yoga und den Sonnenstrahlen hat soweit auch funktioniert. Für den Rest galt: ungefähr so wirklichkeitsnah wie Silvio Berlusconi glaubwürdig. Also gar nicht.

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Nach fünf Tagen Trattoria-Kost aus dem Low-Food-Regal überraschte mich die "Spiegel"-Meldung demnach nicht, dass kürzlich der beste Koch / die beste Köchin Italiens gesucht wurde: Gefunden hat man – gegen sämtliche angetretenen Mammas und Pappas des Landes – einen Tunesier, der die Slow-Food-Bewegung vertritt. Der zweite Platz ging, irgendwie großes Kino, an einen Inder. Und nein, diese beiden haben wie ihre Mitbewerber keineswegs eine elaborierte Küche, sondern mit einer Carbonara lediglich ein typisch italienisches Gericht zubereiten müssen. Das hätte ich im Verlauf meiner unerhört freudlosen Pizza-und-Pasta-Diät ebenso begrüßt wie ein simples Risotto, einen schmackhaften Fisch (das Mittelmeer ist eine knappe Autostunde entfernt ...) oder meinetwegen einen halbwegs ausgepfiffenen Salat.

Nachdem ich mit der Warnung schließe, Italien fürderhin bereisen zu wollen, ohne Gaskocher, Bestecke und Lebensmittel einzuführen oder alternativ die besten ausländisch geführten Restaurants des Landes mittels iPhone zu ermitteln, bleibe ich für die nächste Zeit lieber im Lande und nähre mich redlich.

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