StyleCouncil: Der Mode müde

Jeden zweiten Mittwoch liefert unsere Beauty-Chefin in ihrer neuen Kolumne Antworten auf drängende Stil-Fragen: Sind Lockenwickler noch okay, Waxing-Methoden eigentlich harmlos und Riesentaschen nun in oder out? Hier finden Sie Antworten - und sind herzlich eingeladen, Ihre eigenen Fragen zum Thema Style und Beauty zu stellen.                                       

 

Das Älterwerden raubt mir noch die letzte Freude. Nicht, was Sie jetzt denken. Ich rede vom Shoppen. Vielleicht verklebt mir ja nur der Herbstschlaf die Sinne, vielleicht sind es auch ganz andere Gründe, doch festzuhalten bleibt: Sollte der Zustand anhalten, sehe ich für meinen Beitrag zum Inlandskonsum schwarz. Es macht, möchte ich hier und jetzt gewarnt haben, einfach kein Spaß, die immer und überall irgendwie gleichen Klamotten zu kaufen. Wer mein Geld will, muss mehr bieten.

So war ich vergangene Woche wie zu jeder neuen Mode-Saison hoch motiviert, eine vorbildliche Summe in schöne Garderobe zu versenken und bin auf die Suche gegangen. Und zweimal in Folge mit leeren Händen zurückgekommen. Kein Pulli, keine Hose, kein Mantel, nada. Sollte es nur an Hamburg liegen, dass mich alles fad und modemutlos angähnt? Liegt es an mir, bin ich die zyklisch wiederkehrenden Modewellen einfach schon einmal, zweimal, dreimal zuviel gesurft? Oder trifft doch die Boutiquen und Marken alle Schuld, dass in jedem ihrer Schaufenster nur Variationen Desselben zu hängen scheinen? Sachen, die außerdem so oder so ähnlich längst in meinem Kleiderschrank leben, aus früheren Jahren? Mode, die nur allzu häufig, und hier wird es interessant, Wünsche im Preis-Leistungs-Verhältnis offen lässt?

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Denn der letzte Griff, den ich vor lauter deprimierender Shopping-Ausflüge zu tun bereit bin, gilt dem Material. Sei’s drum, dass hier der achtzehnte graue Oversized-Pullover, dort der zweitausendste schwarze Cocktail-Mantel hängt – wenn es denn nichts anderes gibt, möchte man mich ja eventuell mit Qualität überzeugen. Weit gefehlt. Husch, husch, hingenähtes Zeug, irgendwo in Weitweitweg zusammengedengelt, aus minderwertigen Garnen, die Stoffe gegen den Strich bis auf das letzte Fitzelchen geschnitten, so dass nach der ersten Wäsche selbst ein 150-Euro-T-Shirt mit schiefer Seitennaht die Trommel verlässt. Und das Ganze zu Preisen, denen jede Vernunft abhanden gekommen ist. Teuro hin oder her: Wer ist denn so dämlich, umgerechnet 300, 400, 500 Mark (ja, manchmal ist so ein Vergleich ganz hilfreich) für eine in China am Fließband genähte Kunstledertasche zu zahlen? Und nicht nur die Doofen da unten machen mir Sorgen: Menschen, deren Markenfetischismus offensichtlich ausbaufähiger ist als ihre Intelligenz, die 12000 Euro für eine Pseudo-It-Bag zahlen, sind ebenfalls keine Hilfe.

Ehrlich gesagt wäre ich ein kleines bisschen weniger über unsere Spezies beunruhigt, wenn dieser Gier-Kreislauf, dem der Banken- und Börsen-Crash eine möglicherweise gesunde Zäsur verpasst, zu etwas mehr Reflektion über das eigene (Konsum-)Verhalten führen würde. Anders gesagt: Wenn wir die Alles-Gleich-Modehersteller mal eine Zeitlang auf ihrem einfallslosen Krempel sitzen ließen, fänden sie vielleicht zu der Idee zurück, kreativ zu werden. Deren Umsatzrekorde sind mir nämlich weniger nah als das eigene Hemd. Die Bluse. Der Pulli, Der Rock. Ich denke, wir verstehen uns.

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