StyleCouncil: Dresscode? Welcher Dresscode?
Jeden zweiten Mittwoch liefert unsere Beauty-Chefin in ihrer neuen Kolumne Antworten auf drängende Stil-Fragen: Sind Lockenwickler noch okay, Waxing-Methoden eigentlich harmlos und Riesentaschen nun in oder out? Hier finden Sie Antworten - und sind herzlich eingeladen, Ihre eigenen Fragen zum Thema Style und Beauty zu stellen.
Dresscode? Welcher Dresscode?
Der Mensch: ein Wiederholungstäter. So scheinen zur aktuellen Partysaison wieder Dresscodes in Umlauf zu geraten, bei denen man Krankheit der Anwesenheit vorzieht.Um diese „Exit-Strategie“ zu vermeiden, bittet Frau A. von B. aus Österreich um Auskunft, wie sie als zuverlässiger Gast auf Bekleidungsvorschriften reagieren soll, die ihrem Geschmacksempfinden diametral entgegen laufen und Outfits verlangen, die sie als „karnevalesk“ beschreibt. Nehmen wir an, die Einladung belässt es nicht entgegenkommend und weltgewandt bei „Cocktail Attire“ oder „Something White“, sondern will originell sein und schockiert mit „Schwarz, Weiß & Rot“.
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Es könnte sich natürlich um eine Art Trachtenabend handeln und vor lauter imaginierter, vampiresker Farbgewalt hat man nur versäumt, das Kleingedruckte zu lesen.
In diesem, und nur in diesem Fall drückt man als Bergvolkangehöriger geduldig zwei Augen zu und fügt sich.
Dirndl an, Schwamm drüber.
Auf solchen Feiern schunkelt Stil auf den hinteren Bänken.
Lädt das Kärtchen jedoch ernst gemeint zu einer gänzlich karnevalsfernen Abendveranstaltung, sollte man
a) dringend das Adressfeld prüfen, ob die Nachbarn gemeint waren; sich b) doch die Frage stellen, ob man dem zu erwartenden Auftrieb (rote Jacketts, schwarzweiß getupfte Tulpenkleider mit kreischendem Lackgürtel und ebenso lauten Handtaschen, eine schmerzhaft hohe Frequenz an lustigen Krawatten in Krawallfarbe ...) mental und körperlich gewachsen ist; oder aber man entlarvt diesen Dresscode c) zu Recht als fragwürdig.
Das wird allerseits als Zeichen von Selbstbewusstsein, Etikette-sicherem Umgang mit Obrigkeitsempfinden und Größe interpretiert werden.
Folglich setzt man in diesem Beispiel auf das kleine Schwarze, zwei, drei Reihen Perlen und dezente Louboutin-Pumps.
Deren Signatursohle ist das höchste der Rot-Gefühle, um dieser provinziellen Farbvorschrift ohne Schaden am eigenen Ansehen nachzukommen.
An dieser Stelle daher noch einmal ein besonderer Dank an den französischen Schuhschöpfer.
Schlussfolgernd behandelt man die Feier wie jede, auf die man muss, aber nicht möchte: Man folge immer (!) dem eigenen Stil und bleibe keine Sekunde länger, als es das gute Benehmen vorschreibt.
