StyleCouncil: Mein Leben im Drugstore XXXL
Jeden zweiten Mittwoch liefert unsere Beauty-Chefin in ihrer neuen Kolumne Antworten auf drängende Stil-Fragen: Sind Lockenwickler noch okay, Waxing-Methoden eigentlich harmlos und Riesentaschen nun in oder out? Hier finden Sie Antworten - und sind herzlich eingeladen, Ihre eigenen Fragen zum Thema Style und Beauty zu stellen.
Mein Leben im Drugstore XXXL
Sechs Wandschränke.Je fünf Fächer. Drei graue Ikea-Boxen „Slugis“ pro Fach. Pakete stapeln sich flächig die restlichen Wände hoch. In meinem Büro quillt Kosmetik aus den Ecken wie Creme aus der Tube. Und, ja, die Kollegen kommen oft vorbei. Vorausgesetzt, ich bin da, denn als Agentin im Auftrag der Schönheit bin ich international gefragt: bekomme in Paris Parfümkreationen von Hermès vorgestellt oder Männerkosmetik von Biotherm in Island, besuche Kongresse zur dermatologischen Forschung in Wien oder begutachte eine revolutionäre Colorations-Generation der Londoner Haarexperten von Aveda.
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Einsätze, die garniert sind von Frauen in geschmackvoller Garderobe, Champagner und Size-0-freundlichem flying buffet. Damit, wenn nach getaner Arbeit der Shuttle das Top-Restaurant ansteuert, mein Bleistiftrock von Jil Sander auf gar keinen Fall mit dem Fünf-Gänge-Menue kollidiert. Es gibt unangenehmere Berufe. Wenn ich früher in den USA war, ließ ich meine Begleitung über Stunden vor jedem Drugstore stehen, der mich reinließ – und kam mir dort meist vor wie die Kusine aus Hinterwald, die zu Hause ihre Gesichtsmaske aus dicker Milch und Honig zusammenrührt und endlich im Schlaraffenland gelandet war. Für Frauen wie mich ist der Job mit anderen Worten ein Traum. Es würde mich wundern, wenn es kosmetische Verwendungszwecke gibt, zu denen aus meinem Waffenlager nichts zu holen wäre. Was mich dagegen nicht überrascht ist die Tatsache, dass man inzwischen einen XXXL-Drugstore um uns herum errichtet hat: Täglich verlassen Produkte neuer, junger Marken ihre Erzeuger-Labors auf der Suche nach Kundinnen und Kunden. Eine stete Flut an Neuentwicklungen aller Branchengrößen mündet in Kosmetika, die den Pflegeansprüchen moderner Konsumenten immer spezialisiertere Lösungen andient. Was einmal Nivea-Creme und überschaubar war, ist zu einem Dschungel ästhetischer Konzepte ausgewachsen. Ein Dickicht, in dem vor lauter Antworten die Fragen Komplexe entwickeln. Das muss nicht sein. Fragen Sie mich! Ab sofort jeden zweiten Mittwoch an dieser Stelle.
