StyleCouncil: Last Exit Cashmere
Jeden zweiten Mittwoch liefert unsere Beauty-Chefin in ihrer neuen Kolumne Antworten auf drängende Stil-Fragen: Sind Lockenwickler noch okay, Waxing-Methoden eigentlich harmlos und Riesentaschen nun in oder out? Hier finden Sie Antworten - und sind herzlich eingeladen, Ihre eigenen Fragen zum Thema Style und Beauty zu stellen.
Last Exit Cashmere
Frau Bütkofer aus B.schreibt: „Ich lese Ihre Kolumnen mit großem Interesse, und Ihr Artikel "Schönen Flug" hat bei mir ins Schwarze getroffen.
Mein Mann und ich fliegen viel und leiden wie Sie unter diesen Zuständen.
Da man sich bei Ihnen Rat holen darf, wüsste ich gern, wie Sie auf Flugreisen frisch bleiben? Und vor allem, wie kleiden Sie sich? Weil ich im Flugzeug immer friere, bin ich dazu übergegangen, mich in Paschmina-Schals zu wickeln und heiße Getränke zu ordern.
Trotzdem fühle ich mich bei der Ankunft stets schlapp und sehe älter aus denn je.
Haben Sie einen Tipp?“
Aufmerksam beobachtet, Frau Bütkofer: Wenn das Warten auf den Flieger vorbei ist, hat das Elend noch kein Ende.
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Im Gegenteil: Wahre Zen-Meisterschaft beweist, wer aufrichtig lächelnd wieder aus der Passagierkabine herausklettert.
Allerdings: Eine gewisse Trockenheit im Ausdruck wird auch der fliegende Zen-Mönch nicht vermeiden können – ob man wohl Flugbegleiter diesbezüglich auf größtmögliche Gelassenheit schult? Deren Hautalter liegt dank kosmischer Dauerbestrahlung und knochentrockener Kabinenluft deutlich über dem des Bodenpersonals; vorausgesetzt, dieses muss nicht die Aschenbecher in den gläsernen Abzugshauben leeren, in denen man auf Flughäfen jetzt Nikotinsüchtige zur Abschreckung ausstellt.
Ihr Aussehen hingegen dürfte erst bei Flugzeiten ab vier, fünf Stunden aufwärts leichte Besorgnis erregen.
Was zeitlich darunter liegt, ist mit wenigen Bechern lauwarmen Kräutertees (kein Grüntee, kein Schwarztee, kein Kaffee) und Gesichtssprays in den Griff zu bekommen.
Großartig: „The Mist“ von La Mer, weil sein Wasser die Haut nicht austrocknet.
Leider müsste man es einschmuggeln, da es in der handelsüblichen Größe nicht kabinentauglich ist.
Ähnlich empfehlenswert: „Eau De Beauté“ von Caudalíe, das ist manchmal in 30 ml erhältlich.
Außerdem creme ich ständig und feuchtigkeits-orientiert (zum Beispiel mit der Creme "Qui Fait Belle "von Kenzoki), fahre spätestens in den Film-Pausen ausgiebig mit dem "Super Aqua Stick" von Guerlain durchs Gesicht, verzichte bis auf etwas Concealer und Lip Balm (Dr.Hauschka) auf Make-up (ist bei langen Flügen eher kontraproduktiv), und greife kurz vor der Ankunft zu "Cellular Radiance Concentrate Pure Gold" von La Prairie zum Aufpolstern und Strahlen.
Je nachdem, wer dort wartet, könnte man das Ganze mit einem Hauch Glamour-Puder und Gloss abrunden, zum Beispiel von MAC.
Zur Garderobe: Zu langen Strecken gehört bequeme, bewegungs- und somit stoffwechselfreundliche Kleidung – aber nichts, was Ästheten beleidigt, also aussieht wie ein Hausanzug (alles schon erlebt!).
Nachtflüge übersteht man halbwegs human mit reichlich Kaschmir im Handgepäck, in das man nach dem Abflug wechselt.
(Weil Gepäck immer seltener synchron mit seinem Besitzer sein Ziel erreicht, gehört ins Handgepäck außer den Juwelen unbedingt eine Notfall-Garderobe, sollte mit anderen Worten besonders umsichtig gepackt werden.) Dann ist auch mit dem Frieren Schluss.
Manche Fluglinien geben übrigens Auskunft, über welchen Sitzreihen welcher Maschinen die Aircondition besonders bläst.
Die können Menschen wie Sie und ich entsprechend vermeiden.
Und zum Schluss und dem Thema angemessen mein Wunsch ans Christkind, bevor ich bis Mitte Januar in Österreichs Bergwelt entschwinde: das Travel Set von Loro Piana. Weil Sauerstoffmangel jeden schlapp macht, bin ich damit wenigstens schön schlapp.
