StyleCouncil: Rauch-Klo? Nein, danke!
Jeden zweiten Mittwoch liefert unsere Beauty-Chefin in ihrer neuen Kolumne Antworten auf drängende Stil-Fragen: Sind Lockenwickler noch okay, Waxing-Methoden eigentlich harmlos und Riesentaschen nun in oder out? Hier finden Sie Antworten - und sind herzlich eingeladen, Ihre eigenen Fragen zum Thema Style und Beauty zu stellen.
Rauch-Klo? Nein, danke!
Klischees – was wäre Mensch ohne diese Vereinfachungsformeln.Smalltalk zum Beispiel schrumpfte ohne Klischees wahrscheinlich Richtung Size 0 zusammen.
Ein Klischee allerdings liegt seit den neuen Rauchverboten gesprächsmäßig bei den Akten: dass früher alles besser war.
Endlich.
Endlich muss man nicht mehr nachts um vier die Dusche aufdrehen, obwohl man kaum noch grade drunter stehen kann.
Muss der Fummel von gestern nicht gleich wieder zurück in die Reinigung.
Schmeckt es im Restaurant nur noch danach, was auf dem Teller liegt, statt nach der Cohiba vom Nachbartisch.
Wird man nicht mehr stumpf auf ’ne Kippe angeschnorrt.
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Endlich braucht man niemand mehr um Feuer anklimpern, wenn vorsichtiger Erstkontakt aussehen soll wie verruchte Attitüde.
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äh, halt stopp mal eben – was ersetzt denn jetzt bitte die älteste Anmache, seit Frauen allein ausgehen dürfen?
Bevor selbst ich vor einigen Wochen das Rauchen eingestellt habe, weil Rauchkäfige am Flughafen, Rauchtunnel unter Restaurants oder Rauchklos vor Bars alles sind, nur nicht sexy, gehörte ich zu den „Genussrauchern“.
Zigaretten und Alkohol lagen bei mir kuschelig aneinandergeschmiegt in jener Schublade, die nur zu so aufregenden Anlässen wie Büroschluss-Whisky, Motto-Partys oder Extrem-Clubbing und ähnlichem aufgezogen wurde.
Vielleicht lag mein Umgang mit Genusswaren jeder Art an den Filmen, die mein frühestes Frauenbild mitgezeichnet haben: „Frühstück bei Tiffany“ und „Wie angelt man sich einen Millionär“.
Meine Identifikationsfiguren waren Holly Golightly, die als Elfe mit Zigarettenspitze durch wüste Apartment-Partys schwebt, um später heulend nach einem Kater zu suchen, Marylin Monroe als Pola, die allem hinterherstöckelt, was schemenhaft nach Mann aussieht, und Lauren Bacall als Tschicki, souverän, kühl, berechnend, kaum vorstellbar ohne Zigarette, mit der sie Zeit und Haltung zurück gewinnt, wenn mal wieder nichts so läuft, wie ein Mannequin es plant im Leben.
Die Zigarette als Flirtaccessoire in den manikürten Fingern einer tollen Frau – was soll diesen Auftritt in unseren neuen, besseren, weil feinstaubbereinigteren Welt ersetzen? Ein Ahornsirup-Lolli? Eine selbst aufgefädelte Sonnenblumenkernkette? Eine LOHAS-Erkennungfloskel –„ Oh, hallo, sind Sie vielleicht auch auf der Suche nach Sinngebung durch Designer-Landleben“?
Meine Empfehlung, weil Klimpern im Kontext Kontaktaufnahme nie eine schlechte Idee war, wäre bis auf weiteres die Investition in Schmuck.
Händen, die ohne Zigarette wie nackt nach Halt fingern, bieten lange Ketten, teure Ringe und schwere Armreifen eine attraktive Alternative.
Schmuck kann in strategisch günstigen Momenten fallen und aufgehoben werden.
Edelmetall ist überdies eine krisensichere Wertanlage, die jeden Mann überdauert und von manchen Persönlichkeitsmakeln nachhaltiger ablenkt als gedämpftes Licht.
Und im Baccarat-Aschenbecher auf dem Nachttisch sehen zwei Einkaräter deutlich cooler aus als zwei kalte Kippen.
