StyleCouncil: Miller, Moss und ich
Jeden zweiten Mittwoch liefert unsere Beauty-Chefin in ihrer neuen Kolumne Antworten auf drängende Stil-Fragen: Sind Lockenwickler noch okay, Waxing-Methoden eigentlich harmlos und Riesentaschen nun in oder out? Hier finden Sie Antworten - und sind herzlich eingeladen, Ihre eigenen Fragen zum Thema Style und Beauty zu stellen.
StyleCouncil: Miller, Moss und ich
Man sollte meinen, Mode habe sich bis in den letzten Winkel der Westwelt als Vielfacetten-Phänomen etabliert.Da einige Trends aber willkommener sind als andere, kommt es interessanterweise noch immer zu Fragen, wie sie Frau Meier aus Dresden stellt: „Diesen Herbst kommt man leider um die Moss-Miller-Uniform Röhrenhose, Stiefel und Hängerchen nicht herum.
Ich möchte aber nicht täglich aussehen wie der gestiefelte Kater und bin mit diesem Look nicht glücklich.
Seit einigen Wochen lese ich Ihre Kolumnen und erbitte nun Ihre Prognose: Dauert dieses Achtziger-Comeback etwa noch lange?!?“
Liebe Frau Meier, Frau Miller, Frau Moss und meine Wenigkeit sind wahrscheinlich aus dem nahe liegenden Grund äußerst zufrieden mit diesem Look, weil wir ihn nicht jeden Tag wählen, sondern uns modisch alle Optionen offen halten.
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Und natürlich, weil wir hinein passen.
Röhrenhosen kommen bekanntlich als Jeans du jour nur für eine Beinform in Frage: lang, schlank und wenigstens so gerade, wie Säbelbeinchen Kate es eben hinbekommt.
Die von Ihnen Hängerchen genannten Tops wiederum haben den zur Röhrenhose passenden Vorteil, problemlos alles darunter Lauernde zu kaschieren, Hüftpolster ebenso wie jede kurzfristig vom 5-Gänge-Menü verursachte Ausbuchtung oder einen Kaschmir-Nierenwärmer.
Und im Restaurant muss man endlich einmal nicht den Bauch einziehen.
Die weit geschnittene, bis zum Oberschenkel fallende Oberbekleidung ist des Weiteren ein Segen für empfindliche Ästheten.
Zwei der wenigen Sünden, die selbst der Jugend nicht verziehen werden, gehen nämlich auf die Konten ungezählter Frauen, die ihre Babyspeck-Hintern und Altershüften gegen alle Röhrenhosen-Regeln in Röhrenhosen quetschen und statt auf Muskel-Kontraktion (Sport) weitestgehend auf Jeans-Kontraktion (Unbeweglichkeit) setzen.
Das muss man tolerieren, aber nicht akzeptieren.
Und sehen am besten überhaupt nicht.
Als verantwortungsvolle Mitmenschen freuen Frau Miller, Frau Moss und ich uns deshalb über einen weiteren von uns propagierten Hosentrend, der vielleicht auch Ihnen, Frau Meier, gefallen könnte: die Taillenhose. Mit Beinweiten à la Marlene-Dietrich-Hose, aber einem hohen, zum Teil erst am Rippenbogen endenden, schmalen Taillen-Bund sind die in den Neunzehn-Siebzigern „Elefantenhosen“ getauften Modelle eine angenehme Abwechslung im Straßenbild.
Außerdem kann das nach Bewegung hungernde Stampferle, von einschnürendem Stoff befreit, mal wieder richtig ausschreiten – vorausgesetzt, man bekommt das auf den dazu dringend angeratenen Plateau-Pumps hin.
Dieser Look verspricht außerdem den Nebeneffekt, Fastfood-Fett fast so gut einzuschnüren, wie ein Hängerchen es verdeckt.
Aus den Achtzigern, in denen Sie den Moss-Miller-Look zeitlich verortet hatten, wären wir mit diesem Comeback also heraus – die Dallas-Dekade aber komplett aus dem Straßenbild zu fegen, wird nicht gelingen.
So er Dresden diesen Herbst noch erreicht, könnten Sie nämlich alternativ auf den Biker-Zug aufspringen.
Martialische Lederstiefel.
Ein Hauch von Leder und Gothic.
Dicke Gürtel zur mit Federn besetzten Tasche.
Leggins.
Sehen Sie? Da klingt Moss, Miller & me doch gleich um Lichtjahre attraktiver!
