StyleCouncil: Sales Survivor!
Jeden zweiten Mittwoch liefert unsere Beauty-Chefin in ihrer neuen Kolumne Antworten auf drängende Stil-Fragen: Sind Lockenwickler noch okay, Waxing-Methoden eigentlich harmlos und Riesentaschen nun in oder out? Hier finden Sie Antworten - und sind herzlich eingeladen, Ihre eigenen Fragen zum Thema Style und Beauty zu stellen.
Sales Survivor!
Seit Outlet-Sales ist Einkauf nicht mehr Einkauf. Schon Sales allein, ohne Outlet als Warnung, setzen die Idee, mit einem schicken Einkaufsnetz bewaffnet in Ruhe das modische Angebot zu scannen, um eine nach den Geboten der Vernunft sinnvoll erscheinende Kaufentscheidung zu fällen, für Momente außer Kraft. Steht jedoch Outlet im Namen, handelt es sich in der Regel um ansonsten sündhaft teure Designer-Ware. Somit gilt: Diese Momente sind für unsere Garderobe unumgänglich. Da nun beim Outlet-Sale jede zweite Perlen tragende Vorzeigegattin zur erstklassigen Perlen tragende Vorzeigehyäne mutiert und auch sonst ein paar Fallstricke lauern, erfordern diese Kauf-Events ein 8-Punkte-Programm inklusive Überlebensstrategie, mit anderen Worten: ungewöhnlich starke Charaktere. Outlet heißt Anarchie. Heißt Krieg. Heißt unbedingter Wille zur Martin- Margiela-Schaffellmütze.
1. Die mentale Vorbereitung
2. Das Outfit
3. Der Reality-Check
4. Das Timing
5. Die Truppe
6. Der Umkleidearm
7. Die Allianzen
8. Die Beute
Die mentale Vorbereitung.
Gleichen Sie den Sales-Termin mit Ihrem Zyklus ab. Liegt er in der Tigerinnen-Zone (aka Eisprung), schwappen ausreichend Selbstwert-Hormone durchs System. Vorsicht sei leicht überschäumenden Gemütern geboten: Halten Sie Ihren Kampfgeist im Zaum, um Konflikte in den Punkten -> Truppe und -> Allianzen zu vermeiden. Besonders ungünstig sind PMS-Tage, hier ist jede angemessene mentale Vorbereitung ausgeschlossen. An allen anderen Tagen unbedingt vorher das Innenleben dahingehend ausloten, wie lange man an der Fashion-Front zu überleben glaubt, und das gesetzte Zeitlimit möglichst einhalten. Andernfalls droht Überschreitung des Finanzlimits mit gleichzeitigem Fehlkauf-Überhang. Und wer nicht einmal die richtige Garderobe zum Termin bestimmen kann, geht besser zum Friseur. Vielleicht interessiert es den.
Das Outfit.
Wo Outlet-Sale draufsteht, ist nie eine Ernst zu nehmende Umkleidekabine drin. Wählen Sie Ihre Garderobe deshalb so, dass Ihnen bei der Freestyle-Anprobe nichts peinlich werden kann. Der Lieblings-BH, der zu allem passt, ein sexy Slip, knitterfreier Rock, ein unkompliziertes Top, halbhohe Pumps, kaum Concealer statt dickem Make-up (aus Respekt vor -> Truppe und -> Allianzen), das war’s. Vorausgesetzt, es sind Designer-Stücke. Sie demonstrieren schließlich Ihre Daseinsberechtigung.
Der Reality-Check.
Was brauchen Sie? Nichts. Also alles. Machen Sie dennoch eine Prioritätenliste, denn wer zu lange vor den Hosen aus der Vorvorjahreskollektion herumsteht, die mangels Attraktivität und Umkleidegelegenheit nur Zuspätkommer anprobieren, verpasst sämtliche Cashmere-Pullis und den einzigen Balenciaga-Mantel in der richtigen Größe. Nur sehr abgeklärte Outlet-Salerinnen kickt der Ehrgeiz, alles inklusive Weihnachtsgeschenk für die Schwiegermutter zu shoppen. Die kommen aber auch mit ähnlich geschulten Weggefährtinnen.
- Schlagen Sie hier relevante und interessante weiterführende Inhalte zu diesem Artikel vor.
Sales Survivor!
Das Timing.
Steht auf der Einladung 10 - 18 Uhr an 5 Wochentagen, drücken Sie kurz vor 10 Uhr an Tag 1 die Klinke herunter. Was ab 11 Uhr noch auf den Ständern hängt, brauchen Sie nicht.
Die Truppe.
Ignorieren Sie den Geiz-Teufel, der Ihnen einflüstert, am besten gingen Sie allein, sonst trage am Ende die beste Freundin heraus, was Ihnen viel besser gestanden hätte. Erstens erledigen das ohne Ihre Truppe die Vorzeigehyänen. Und zweitens sind beste Freundinnen die wichtigste Größe in diesem Spiel. Sie sind Ihre zweiten bis fünften Augenpaare. Alle für Eine, Sie wissen schon. Eine grundsätzliche Strategie, was Sie und Ihre Freundinnen suchen, wird im gemeinsamen Truppentransporter entworfen (es gibt nirgends genug Parkplätze, und nach den wenigen hecheln auch die Hyänen), dann schwärmen Sie gemäß „dem Plan“ aus. Was annähernd die Vorgaben „des Plans“ erfüllt, landet auf dem -> Umkleidearm.
Der Umkleidearm.
Wählen Sie eine sehr leichte Tasche (in die viele große Scheine passen), denn ein Arm muss Bügel flippen, während der andere die Vorauswahl trägt. Ja, inklusive der Stücke für Ihre -> Truppe. Ein leichtes Ober- und Unterarmtraining zirka 1 Woche vor dem Termin sollte reichen. Da Sie garantiert andere Kundinnen mit Dingen hantieren sehen, auf denen eigentlich Ihr Name stand, brauchen Sie Kraft, um mögliche Tauschobjekte dazu zu laden. Diese Frauen könnten Alliierte werden.
Die Allianzen.
Scannen Sie aus den Augenwinkeln Stil und Konfektionsgrößen jeder Frau, die sich für dasselbe Stück interessiert wie Sie, aber schneller war. Suchen Sie ihre Nähe. Hat sie noch nicht anprobiert, folgen Sie ihr unauffällig und kommentieren das Anprobe-Ergebnis. Aber Vorsicht: Unehrlichkeit kann der zarten Pflanze Tauschgeschäft nur schaden. Signalisieren Sie lieber die Bereitschaft, im Falle eines Falles das Objekt des Zweifels zu übernehmen. Machen Sie das freundlich genug, sollte dem Deal nichts im Wege stehen. Und für die Teilzeit-Altruistin in Ihnen: Hängen Sie ihr schon mal etwas Hübsches über den -> Umkleidearm (das für Sie selbstverständlich nicht in Frage kommt).
Die Beute.
Outlet-Sales münden trotz professionellster Vorbereitung immer wieder in Pullovern, die nicht ganz passen, Blusen, deren Farbe nicht ganz konveniert und ähnlichen Nicht-ganz-Fehlkäufen. Schwamm drüber! Es ist kein finanzielles Bein gebrochen, und die Schwägerin/Nachbarin/Brieffreundin hat schließlich auch irgendwann wieder Geburtstag.
zurück

weiter