Falten. Mit lässt es sich offenbar gar nicht mehr aushalten, weshalb man versucht ist, alles zu versuchen, um möglichst lange ohne zu bleiben.
Ein Neuzugang in den Kosmetikregalen ist ab September: Lancasters Antifalten-Labor für daheim. Es ist selbstredend in Rosa gehalten, was wahrscheinlich besänftigenden Charakter haben soll, sieht handlich aus wie ein kleiner Rasierapparat und schleust über einen metallenen Kopf Gleichstrom in drei Stufen (0,3 mA; 0,5 mA; 1mA) aus einer beiliegenden Batterie auf die Haut. Vorher wird ein Konzentrat aufgetragen, dessen Wirkstoffe im Zusammenspiel mit dem Strom positive Kräfte freisetzen soll, um den Hautzellen ihre tägliche Aufbauarbeit zu erleichtern. Ursprung dieser Idee ist die nachgewiesene Wirksamkeit von Mikrostrom auf körperliche Heilungsprozesse und innerhalb der Schmerztherapie. Dort verwendet man allerdings Impulsstrom, dessen Stärke im Mikro-Bereich liegt – ein Strom, mit dem der menschliche Körper selber arbeitet. Er stimuliert die Energiezufuhr, fördert Eiweißverbindungen (Proteine, Peptide) und sorgt für die Abfallbeseitigung aus dem Körper. Vorgänge, die ältere Haut erfahrungsgemäß schlechter hinbekommt.
Man umarmt daher ganz entschieden jede apparative Unterstützung. Nicht öfter als zweimal pro Woche soll die Verwenderin etwa fünf Minuten ihrer Zeit der Anwendung des Lancaster-Geräts widmen, um Krähenfüße zu mildern und Nase-Mund-Falten so zu bearbeiten, dass sie glatter werden. Und hier liegt dann mein ganz persönliches Problem: Ich will ja, aber vergesse es ständig! Wieder und wieder nehme ich mir vor, die zweite Anwendung endlich in Angriff zu nehmen (wo doch die erst schon zwei Wochen zurück liegt, ist es genau genommen die zweite erste Anwendung). Nach der hat mein Gesicht ganz wunderbar entspannt ausgesehen – was durchaus für das Heim-Labor spricht. Nur gehöre ich zu den Menschen, die ständig umtriebig und schlecht zu disziplinieren sind. Weshalb ich das Ganze noch einmal neu beginne, vielleicht schon diese Woche, wenn mein Urlaub beginnt. Und dann? Werde ich danach wegen des Wrinkle Labs oder wegen der Urlaubsruhe schöner aussehen?? Weil das nicht objektiv messbar sein wird, verlege ich den Neu-Start wohl doch auf den September, wenn ich zurück bin und das Produkt am Markt sein wird. Und hoffe und bete, endlich genug Zeit zu haben, um brav alle drei Tage frisch ans Falten-Bügeln zu gehen. Ich werde nichts unversucht lassen, versprochen.
Wrinkle Lab Precise Correction Expert Institute At Home, 98,00 Euro Gerät mit 3-Stufenschaltung und Halter, Wrinkle Correcting Concentrate (10 x 3 ml) sowie 1 x 1,5 V AA Batterie. Nachfüllgröße des Konzentrats: 30 ml 65 Euro
www.lancaster.de
Reifeprüfung August
Einmal im Monat plaudert ALKE VON KRUSZYNSKI aus dem Beauty-Case. Kosmetik und Produkte, von ihr getestet und empfohlen.

Facelifter – sagte ich nicht, alles versuchen zu wollen?! Dieser "Facelifter" aus den USA lockt mit Vorher-Nachher-Fotos auf hängende /straffe Wangen, tiefe/flache Nasolabialfalten und ebensolche Krähenfüße und erweckt den Eindruck nachgewiesener Wirkung. Versprechungen, wie sie in Deutschland aus gutem Grund nicht erlaubt sind, wenn man einmal über die Möglichkeiten von Bildbearbeitungsprogrammen wie Photoshop nachdenkt...
Die Idee: erschlaffende Muskelpartien im Gesicht sollen durch Training der Kiefermuskulatur wieder in Form kommen und so die Gesichtskontur verbessern. Das könnte prinzipiell stimmen. Aber soll ich mir deshalb täglich einen Silikon-Knochen zwischen die teuer überkronten Backenzähne schieben, um darauf bis zur Ermüdung des Kiefers Beißbewegungen auszuführen? Könnte ich nicht genauso gut brav mein Essen kauen, statt es zerdrückt und halb angekaut hinunter zu schlingen – damit täte ich sogar dem armen, vernachlässigten Verdauungsapparat einen großartigen Dienst! Und wenn ich danach zahnpflegendes Kaugummi mampfe, bis zur finalen Geschmacksabsorbtion, profitiert nicht auch dann die komplette Muskeltruppe, vom Kinn über die Ohren bis zum Jochbein? Wie wäre es im Weiteren mit anregenden Sozialkontakten, statt stumpf vor dem TV zu hocken? Da kämen garantiert noch ein paar stärkende und straffende Gesichtsbewegungen zusammen. Die Krönung wäre ausgiebiges Knutschen, was den Lip Booster überflüssig machen und die Serotoninproduktion fördern würde, die wiederum eine geradezu strahlende Wirkung auf den Teint hätte.
Aber – das sind nur harmlose Anregungen, und zu kaufen gibt es weder Knutschen noch Kauen oder interessante Gesprächspartner. Bleibt entweder Kaugummi. Oder Facelifter.
Über www.kghmedical.com, ca. 40 Euro
