DIE SONNE lacht uns tot

Wie dumm muss man eigentlich sein, sich nicht vor UV-STRAHLEN zu schützen?

 

Der moderne Deutsche tickt so: Er möchte es bio, aber billig, schwadroniert über Nachhaltigkeit und fährt einen SUV, er will kompromisslos genießen und mit 60 Jahren jung aussehen wie ein Hüpfer. Kurz: Der moderne Deutsche ist der Inbegriff des Widerspruchs.

Zu dieser Was-kümmert-mich-das-Morgen-Haltung gehörte seit den Wirtschaftswunderjahren Sonnenbräune. Leider hat sich seither nicht nur die Wirtschaft zum Schlechteren entwickelt.

Wer in den 60ern bis 90ern in der Farbe von gegartem Hummer an der Costa de Irgendwo lag, auf der Haut bestenfalls ein Babyöl zum schnellen Anbraten, duzt heute mit großer Wahrscheinlichkeit seinen Dermatologen.

Und dennoch: Während die Strahlenschutzschicht in der Erdatmosphäre dramatisch ausdünnt, setzt nach wie vor kollektiv der Verstand aus, sobald die Sonne auf den Schädel knallt. So wurden 2007 laut Beiersdorf zwar doppelt so viele Produkte mit SPF 30 bis 50 – und nur die schützen verlässlich – verkauft wie 2006, aber sechsmal lieber griffen die Konsumenten zu niedrigen SPFaktoren. Wenn überhaupt, wie der Kosmetikverband VKE relativiert: „Von den 16,5 Millionen Deutschen, die regelmäßig sonnenbaden, sind nur 9 Prozent bereit, sich überhaupt einzucremen.“ Was für ein Fehler!


„ Jeder vierte Deutsche“, warnt der Hautexperte Professor Dr. Volker Steinkraus, „hat inzwischen hellen Hautkrebs.“  

In Australien sei jeder zweite, in den USA jeder dritte Mensch betroffen. Solche Plattenepithel- und Basalzellkarzinome gehören entfernt. Zwar gefährden sie nicht zwangsläufig das Leben. Hässlich sind sie aber allemal. Beim schwarzen Hautkrebs sieht’s schon anders aus: „Vor einigen Jahrzehnten erkrankte in den USA einer von 1500 an schwarzem Hautkrebs, heute einer von 70. In Deutschland liegen nur Schätzwerte vor, die jedoch in einer ähnlichen Größenordnung liegen dürften“, sagt Professor Steinkraus.

Die Entscheidung, die erforderlichen Untersuchungen im Rahmen der Hautkrebsfrüherkennung ab Juli dieses Jahres endlich als Kassenleistung anzubieten, war überfällig.

Maligne Melanome entstehen, wenn pigmentbildende Zellen in den äußeren Hautschichten „entarten“. Solche Melanozyten beginnen unkontrolliert zu wachsen und ersetzen und zerstören andere Körperzellen. Wird so ein „Herd“, der überraschenderweise meist nicht an lichtexponierten Stellen wie Gesicht, Dekolleté oder Händen liegt, nicht schnell entfernt, befallen kranke Zellen Blut- und Lymphgefäße und wandern durch den Körper. So können Metastasen an weit entfernten Stellen entstehen – und sind die eigentliche Gefahr: In der Haut ist ein Melanomknoten kaum lebensbedrohlich; in Leber, Knochen, Gehirn schon. Ein Fünftel der Erkrankungen endet tödlich.

Strahlung ist ein Faktor, der maligne Melanome nachweislich begünstigt – und vor allem bei Kindern und Jugendlichen wird das Risiko, später ein Melanom zu entwickeln, durch Sonneneinfluss erhöht. An eben dieser Stelle könnte die Schreckvokabel „Anti-Aging“ endlich einmal sinnvoll aufmerken lassen. Langwellige UVA-Strahlen dringen nämlich tiefer in die Haut, wo sie ihr Immunsystem schwächen, unwiderruflich die Zellvitalität schädigen und die Hautalterung stark beschleunigen.

Im Vergleich zu UVB, das oberflächlich angreift, „gelangt 50-mal mehr UVA auf die Erde. Und zwar zu jeder Jahreszeit“,< sagt Dr. Stephan Ruppert von der Beiersdorf Lichtschutzforschung. Ärzte plädieren deshalb zu Recht dafür, adäquaten Sonnenschutz auch in der lichtärmeren Zeit zu verwenden. Und sich in der Sonne eher an- als auszuziehen. Das Schattendasein bekommt so eine völlig neue, überlebenswichtige Note.

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