Nicht erst seit der Finanzkrise werden die Kapitalmärkte durch Regeln und Bestimmungen überwacht, beispielsweise durch die Finanzaufsicht. Trotzdem hat sich schon lange auch ein grauer Kapitalmarkt herausgebildet.
Wer sein Geld auf dem Finanzmarkt anlegt, der möchte eigentlich sichergehen, dass er seriös beraten wird und die staatliche Finanzaufsicht schwarze Schafe möglichst schnell aus dem Verkehr zieht und so die Anleger schützt. Doch nicht erst seit der Finanzkrise ist klar, dass, trotz vielerlei Regeln, Gesetzen und Aufsichtsgremien, ein solcher Schutz nicht immer möglich ist. Und das gilt nicht nur für den so genannten „institutionellen Finanzmarkt“. Das gilt besonders für den Teil der Finanzmärkte, der eben nicht den staatlichen Aufsichtsbehörden unterliegt – ein grauer Kapitalmarkt, dessen Regulierung von Vielen seit langem gefordert wird. Zumal sich in dieser Grauzone vergleichsweise viele unseriöse Anbieter tummeln, auch wenn natürlich nicht alle Unternehmen und Anbieter in diese Kategorie fallen. Auch ein grauer Kapitalmarkt bietet durchaus seriösen Finanzunternehmen ein Zuhause.
Ähnlich wie beim institutionellen Finanzmarkt gibt es auch in der Grauzone eine Vielzahl unterschiedlicher Angebote und Finanzierungsmöglichkeiten. So bietet ein grauer Kapitalmarkt potentiellen Kunden beispielsweise Glücksspiel- und Unternehmensbeteiligungen ebenso wie Termingeschäfte, Bauherrenmodelle und Immobilienbeteiligungen. Aber auch der Diamantenhandel bewegt sich teilweise auf diesem Terrain, ebenso wie manche Steuersparangebote. Geworben wird für die jeweiligen Modelle auf vielfältige Weise. Anzeigenwerbung kommt dafür ebenso in Frage wie postalische Werbung, Fax- oder Email-Werbung. Aber auch die unerlaubte Telefonwerbung ist in diesem Bereich verstärkt zu finden.
Wie seriös die einzelnen Angebote sind, kann ein Laie in der Regel ohne Hilfe nicht ohne weiteres durchschauen. Wohl auch aus diesem Grund beträgt der geschätzte Schaden auf dem nicht-kontrollierten Kapitalmarkt rund 20 bis 25 Milliarden Euro pro Jahr, so eine Schätzung des Bundeskriminalamtes. Trotzdem scheuen viele Anleger eine Anzeige, denn nicht selten werden die Kapitalanlagen auf dem grauen Markt mit Schwarzgeld finanziert. Doch selbst wenn alles mit rechten Dingen zugegangen ist, scheuen die Anleger oft die Blamage, eine irrationale Entscheidung gefällt zu haben.
