Die Rente mit 60 wirft sehr schwierige Probleme auf
Für jeden Beschäftigten, der bald aus dem Berufsleben ausscheidet, sind zwei Fragen wichtig: Wie hoch ist die Rente und wann kann sie in Anspruch genommen werden? Die Rente mit 60 ist für viele ein erstrebenswertes Ziel.
Die Rente muss finanziert werden. Die Probleme, die die Rentenversicherung damit hat, ergeben sich aus wirtschaftlichen Gegebenheiten, zum Beispiel hoher Arbeitslosigkeit und demographischer Entwicklung, nämlich der Altersstruktur der Bevölkerung. Die Finanzierung der Renten wird um so schwieriger, je größer die Zahl der Altersrentner und je geringer die Zahl der Beschäftigten ist. Der Grund dafür liegt in der dynamischen Rente, die auf dem so genannten Generationenvertrag beruht.
Der Ausgangspunkt ist einfach zu verstehen, und das Ziel erscheint gerecht: Die Höhe der individuellen Rente errechnet sich nach einer Formel, die das eigene Arbeitseinkommen zum Einkommen der Beschäftigten insgesamt in Beziehung setzt. Die Erwerbstätigen tragen zur Finanzierung der Einkommen der nicht mehr erwerbstätigen Personen bei und die Renten sollen an die Entwicklung des Einkommens der Erwerbstätigen angepasst werden. Ohne regelmäßige Rentenanpassungen würden einmal berechnete Renten durch Inflation entwertet und steigende Erwerbseinkommen würden die relative finanzielle Lage der Rentner verschlechtern. Als dieses Rentenmodell vor mehr als 50 Jahren eingeführt wurde, ging es noch von der Rente mit 65 aus, aber die Rente mit 60 erschien als ein erreichbares Ziel.
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Inzwischen ist die Lage ganz anders. Die Rentenanpassungen sind immer wieder modifiziert worden. Die Änderungen sind im einzelnen sehr kompliziert, doch die Folgen für die Rentner sind klar: Die Renten steigen langsamer als bisher. Um die Finanzierung der Rentenversicherung langfristig zu sichern, sieht eine gesetzliche Regelung vor, dass die Regelaltersgrenze stufenweise auf 67 Jahre heraufgesetzt wird. Wer früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden will, muss Abschläge von der Höhe seiner Rente in Kauf nehmen. Das ist in der Gegenwart ein harter sozialpolitischer Streitpunkt. Unter diesen Umständen haftet dem Gedanken an die Rente mit 60 heute etwas sehr Unwirkliches an. Sie könnte nur dann ein erreichbares Ziel sein, wenn die Zahl der Beschäftigten und das Erwerbseinkommen steigen würden. Trotzdem gibt es viele, die an der Forderung festhalten, das Rentenalter abzusenken.
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